Far Cry 3 - Vorschau
Es war einmal ein Spiel, das quasi aus dem Nichts auftauchte und Spieleraugen aus dem Stand feucht werden ließ. Eine fürs Ego-Shooter-Genre seinerzeit ungewohnt freie Spielweise in einer weitläufigen Welt, gepaart mit dem unverbrauchten Setting einer tropischen Trauminsel, dicht überwuchert von üppiger Vegetation, und das in grafischer Referenzklasse… es war Liebe auf den ersten Blick. Doch bereits mit dem offiziell zweiten Teil endete der Höhenflug. In Scharen verliefen sich die Spielejournalisten in Afrika und verdursteten. Als dann auch noch der wahre Endgegner der Zockergemeinde, Diablo Boll, die Lizenz durch den Fleischwolf seiner filmischen Machenschaften drehte, war ein früher Tod der Far Cry-Reihe förmlich vorprogrammiert. Und doch… mit den ersten Infos über den neuesten Ableger, schien wieder ein zartes Licht der Hoffnung am Ende des Spielertunnelblickes. Doch erzählen kann man ja viel und Trailer sagen auch nur so viel über ein Spiel aus, wie die Klamotten einer Frau über ihren Charakter. Zeit selber Hand anzulegen! Und dafür ist ja die gamescom da.
Bevorzugtes Urlaubsziel
Glücklicherweise war es uns dabei vergönnt, tatsächlich den Kampagnenmodus anzuspielen, ohne durch bereits tausendfach gesehen Onlinemodi wie bei einem Blick ins Kaleidoskop auf eine falsche Fährte gelockt zu werden. Und so stehen wir plötzlich da, mitten in einem belebten ärmlichen Dörfchen und atmen endlich wieder tropisches Flair. Erinnerungen an den Erstling werden wach, als wir uns auf den Weg zu einem Funkturm machen, und dabei natürlich Pfade strikt meiden, um stattdessen mitten durch die Botanik zu stampfen. Zwar löst der hemmungslose Bewuchs nicht mehr derartige Begeisterungsstürme wie damals vor sechs Jahren aus. Dafür haben wir seither viel zu viel gesehen, und doch macht das Dickicht ordentlich was her, und fühlt sich für Freunde der Reihe zudem ein wenig wie zuhause an.
Der am Horizont aufragende Funkturm ist deshalb unser Ziel, da sich erst nach besteigen dessen der ‚Fog-of-War‘ in der näheren Umgebung auf unserer Map lüftet. Ist der Lümmel erst mal erklommen, werden in einem schicken, panoramischen Kameraschwenk nahegelegene relevante Ziele gezeigt, sowie Markierungen auf der Karte gesetzt, die auf Sidequests, Wettrennen und versteckte Goodies hinweisen. Woher euch das bekannt vorkommt? Assassin‘s Creed, richtig. Aber sei‘s drum. Lieber gut geklaut als schlecht erfunden!
In der Sommerhitze des Gefechts
Qualm über den Bäumen deutet auf ein Lager hin. Doch im Gegensatz zum Dorf vom Anfang, ist man uns hier nicht freundlich gesonnen. Das passt aber schon irgendwie, da wir dort, auch im Gegensatz zum Startpunkt, unsere Waffen ziehen dürfen. Gewalt erzeugt eben Gegengewalt. Schnell wird deutlich, dass die knackige Steuerung intuitiv flutscht.
So intuitiv, dass man sich als alter Hase unbesiegbar wähnt, nur um sich kurz darauf tot auf dem Boden wiederzufinden. Gut, der Sturm mit dem Maschinengewehr hat nicht funktioniert. Schleicht man sich eben mit dem Bogen in der Hand von hinten an. Hat man dann auch irgendwann die realistische Flugbahn eines Pfeils verinnerlicht, gelingen bald saubere und vor allem lautlose Abschüsse aus der Distanz. Dumm nur, dass die Leiche mitten auf dem Weg liegt und natürlich sofort entdeckt wird. Von einer Wache auf dem Dach, die sicherlich das bessere erste Ziel abgegeben hätte. Der Alarm erklingt und die Jagd auf uns ist eröffnet. Abermals Opfer der natürlichen Arroganz eines geübten Shooterfans, verschanzen wir uns geduckt hinter einem Felsen vor der Siedlung, und warten gemütlich auf die erwartete Schießbude am Tor. Ein Fehler ob der cleveren KI, die uns unbemerkt flankiert hat und das Feuer eröffnet. Ein panischer Wechsel über ein Auswahlrad auf die MP, ein Sprint zum hübschen Strand. Doch mittlerweile sind auch noch zwei Jeeps aufgetaucht, deren Insassen uns gnadenlos hetzen. Eine quälend lange - aber schick animierte - Selbstheilung per Knopfdruck später, entscheiden wir uns, die Opferrolle zu verlassen, und feuern frohen Mutes zurück. Der Jeep ist unser, ideal zum Flüchten, dummerweise hoffnungslos durchlöchert, und zwar von uns… kurz zuvor. Dumm gelaufen. Egal, da ist ja noch einer, und ein Jetski war doch auch irgendwo. Wir können das, wir können das… und wieder ins Gras gebissen. Verdammt! Nochmal, aber diesmal richtig… Und wenn sie nicht gestorben sind…
Was hier vielleicht so klingen mag, als habe es frustriert, gestaltet sich ganz im Gegenteil äußerst motivierend. Shooter sind im Allgemeinen viel zu leicht geworden, doch Far Cry 3 fordert endlich wieder den uns allen innewohnenden Hardcorezocker heraus. Keine Teamkameraden, die einen am Händchen durch Schlauchlevel führen, keine Gegner die komfortabel vor unserer Mündungen mit der Regelmäßigkeit eines Kolbens auftauchen. Der durch die offene Spielwelt zwangsläufig auch freie Ansatz bezüglich der Vorgehensweise lädt zum Experimentieren ein. So hätte man sich beispielsweise auch mit einem Paraglider über dem Lager in Position für einen Überraschungsangriff bringen können.

Verdiente Abkühlung
Ist das Pack dann endlich besiegt, übernimmt eine euch friedlich gesonnene Miliz den Landstrich, und wir haben keine Gefahr mehr zu fürchten. Also ab zurück ins Dorf, auf dem Weg noch ein paar Dollar aus Kisten abgestaubt, neue Waffen gekauft, oder vorhandene upgegradet und weiter zum nächsten Funkturm, denn die zu erforschende Insel ist verdammt groß. Oder doch erst eine Sidequest? Wie gestaltet sich eine solche überhaupt, und können wir die Insel dahinten mit dem Jetski erreichen? Worum geht’s überhaupt in der Geschichte? Und sind alle Charaktermodelle so großartig gestaltet, wie der tätowierte Kollege da vor mir? Und wer sind wir überhaupt? Und wenn dann wie viele …?
Infos





