Dishonored - Die Maske des Zorns - Vorschau
Würde man zum heutigen Zeitpunkt ein Klassentreffen der besten Assassinen der Gaming-Welt abhalten, müsste man vermutlich nicht mal einen Raum mieten. Denn die Gebrüder Ezio und Altair, bekannt aus der Assassin's Creed-Franchise, bekommt man sicherlich auch zu später Stunde noch entspannt an der Theke der nächsten Kneipe unter. Aber allzu bequem sollten es sich die Klingenbrüder auf ihrem plüschigen Thron nicht machen, denn der nächste Anwärter steht schon in den schattenverhüllten Startlöchern. Denn der werte Herr namens Corvo Atano, welcher den Protagonisten im Stealth-Ego-Actiontitel Dishonored - Die Maske des Zorns gibt, hat so einige Asse in der Hinterhand, mit denen er gehörig am Thron der Star-Assassinen wackeln könnte. Um zu ermitteln, wie es sich anfühlt, durch die viktorianisch angehauchte Steampunkwelt des Städtchens Dunwall zu streifen und warum Dishonored - Die Maske des Zorns das Zeug zu einem unterhaltsamen Schleicher haben könnte, haben wir die Xbox 360-Version des Titels auf der gamescom einem exklusiven Hands-On-Test unterzogen. Also, Maske auf und ab ins Dunkel!
Ein Assassine im Auftrag ihrer Majestät
Denn die Finsternis ist, so mulmig einem auch dabei sein mag, gerade zu Beginn von Dishonored - Die Maske des Zorns Corvos bester Verbündeter. Dabei scheint zunächst noch alles in bester Ordnung zu sein. Noch vor wenigen Tagen als enger Vertrauter und Bodyguard in den Diensten der Kaiserin Dunwalls tätig und allerseits geschätzt, kehrt sich die persönlich Erfolgsgeschichte Atanos nach der Ermordung seiner Arbeitgeberin schnell in das genaue Gegenteil. Denn plötzlich sehen wir uns einer Gruppe von Verschwörern gegenüber, die uns den Mord an der Kaiserin anhängen möchte, und unter Führung des neuen Lordregenten der Stadt zur Menschenjagd bläst. Blöd nur, dass unsere Feinde die Rechnung ohne die fremde Macht gemacht haben, die auf den klangvollen Namen Outsider hört und Corvo ein Angebot macht, dass er nicht ablehnen kann. Scheinbar selbstlos verschafft uns der Outsider den Zugang zu übernatürlichen Fähigkeiten und überlasst uns dann unserem einzigen Ziel – Rache.
Zwischen Meucheln, Metzeln und magischen Tricks
Bis wir am Ende jedoch mit dem Kopf des Oberverschwörers, des Lordregenten höchstselbst, jonglieren dürfen, vergeht mit Sicherheit noch einiges an Zeit. Denn schon anhand des kurzen spielbaren Abschnitts konnten wir uns vor Augen führen, wie zahlreich in Dishonored - Die Maske des Zorns die Möglichkeiten der Leveldurchquerung sind. Dabei scheint die Aufgabe einfach zu sein: Anton Sokolov, den königlichen Leibarzt, in seiner Behausung aufspüren, ins Reich der Träume versetzen und bei unserem Kontaktmann am Bootsanleger abliefern. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen uns neben den obligatorischen Nah- und Fernkampfwaffen, die mit Pistole, Granaten und einer Mini-Armbrust mit Schlaf- und Explosionsbolzen kein spieletechnisches Neuland betreten, auch die schon erwähnten übernatürlichen Fähigkeiten zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem ein blitzschneller Vorstoß, der Skill, die Zeit extrem zu verlangsamen oder kurzzeitig die Kontrolle über ein anderes Lebewesen – egal ob Bedienstete, Wachen oder Tiere – zu übernehmen. Klingt an sich nicht sonderlich innovativ, interessant wird es aber erst, wenn man die Skills kombiniert, um seine Widersacher möglichst kreativ aus dem Weg zu schaffen. So kann man beispielsweise den Schuss eines Gegners abwarten, die Zeit verlangsamen und seinen Feind per Gedankenkontrolle in sein eigenes Projektil hechten lassen. Das ist nur eine der vielen Möglichkeiten, seine Gegner zur Strecke zu bringen. Aber auch umherpirschen und durch dunkle Ecken kreuchen hat durchaus seine Vorteile. So schalten wir unsere Gegner nämlich nicht nur gesundheitsschonend aus – es ist tatsächlich möglich, eine Vielzahl der Level ohne tödliche Gewalt zu
absolvieren – sondern haben auch mehr Zeit, unsere Umgebung zu erkunden und wertvolle Notizen, Informationen und Wertgegenstände einzusammeln. Letztere dienen uns dann auch dazu, unsere irdischen Waffen aufzuwerten, während wir für die Verbesserung unserer magischen Fertigkeiten sogenannte Runen benötigen, die überall in der Spielwelt verteilt sind. Es ist durchaus schön zu sehen, dass man im Bereich der Ego-Actiontitel auch mal wieder für Langsamkeit belohnt wird, was sich dank des fantastischen Settings mehr als auszahlt. Nicht nur, dass die steampunktypische Kombination aus dem von der Adelsgesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts geprägten Sozialgefüge, sowie halbwegs moderner Technik und Magie uns mit ihrer ungemein dichten Atmosphäre in den Bann gezogen hat wie lange keine Spielwelt mehr. Auch die verschiedenen Möglichkeiten, wie wir uns letztendlich durch die Levels bewegen, kann man meist nur auf leise tapsenden Schleicherpfoten entdecken.
Augen auf beim Dampfschiffkauf
Aber, auch wenn das Setting noch so phänomenal ist, allzu nah sollte man seinen Gegnern und seiner Umgebung nicht kommen. Denn beim Scharfstellen unserer Sichtapparatur ist uns vor allem eins unangenehm aufgefallen: die matschigen, teilweise richtig pixelig aufgelösten Texturen. Gerade in diesem Bereich schien Dishonored - Die Maske des Zorns bisher damit angeben zu wollen, neue Maßstäbe zu setzen – und gerade in diesem Bereich versagt zumindest der gamescom-Preview-Code auf ganzer Linie. Da können die Charaktere noch so glaubhaft durch die Levels stolzieren, wenn man sich beim Blick auf die nächstgelegene Tapete in 8 Bit-Zeiten zurückversetzt fühlt, geht auch ein Stück weit Atmosphäre flöten. Hier bleibt nur zu hoffen, dass die finale Version von Dishonored - Die Maske des Zorns ein bisschen mehr Politur auf die Spielgrafik aufträgt. Trotz der grafischen Macken überzeugt vor allem das Design der Charaktere, die sich gelungen in die auf offensichtlichen Kontrasten basierende Spielwelt einfügen. Ähnlich gut flutscht es hinsichtlich der Steuerung, die auf dem Xbox 360-Pad äußerst intuitiv daherkommt. Der linke Analogstick scheucht Corvo durch die Levels, mit dem Rechten wird gezielt und umher geguckt, während wir mit den Schultertasten unsere Fähigkeiten oder Waffen auswählen können. Aber auch hier gilt natürlich: Dishonored - Die Maske des Zorns erfindet das Rad nicht neu. Ähnlichkeiten zu Assassin's Creed oder – gerade in den Schleichpassagen – der Thief-, beziehungsweise Dark Project-Reihe sind nicht von der Hand zu weisen. Aber die kluge Implementierung bewährter Gameplay-Elemente muss ja nicht zwingend etwas Schlechtes sein. An dieser Stelle hätten wir uns aber auch gewünscht, dass man bei Dishonored - Die Maske des Zorns in Sachen KI ein wenig gespickt hätte. Denn die Wachen begeben sich, nachdem wir entdeckt wurden, zwar brav auf die Suche nach uns und alarmieren auch ihre Kollegen, aber gerade im Kampfgeschehen rennen die viktorianischen Gentlemen höflich, aber bestimmt in unser offenes Messer, beziehungsweise in die Schussbahn unserer Kugeln und Bolzen. Aber genau, wie im Grafikbereich gilt auch hier: etwas Zeit haben die Entwickler von Dishonored - Die Maske des Zorns ja noch bis zum Release.

Einen Kommentar zur deutschen Synchro können wir an dieser Stelle nicht abgeben, da wir den englischen Preview-Code spielen durften. Dieser zeichnet sich aber durch zahlreiche hochkarätige Sprecher wie Brad Dourif, Susan Sarandon oder Chloe Grace Moretz aus. Den entsprechenden Ingame-Gegenstücken der Schauspieler begegnen wir zwar im Laufe der relativ kurzen Einstiegsmission nicht, aber bei einer derartig illustren Riege an Sprechern kann eigentlich nichts mehr schief gehen.
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