Das Testament des Sherlock Holmes - Vorschau
Sherlock Holmes ist Meisterdetektiv der ersten Stunde. Der feine, britische Herr im braunen Jackett ist ein kultiger Detektiv in Literatur und audiovisuellen Medien. Konkurrenz? Höchstens in Form von „L.A. Noire“, aber davon zeigt sich Holmes unbeeindruckt. Ansonsten zielt das Adventure-Genre mittlerweile auf Humor, Blödeleien und Witz ab. Statt sich großartigen spielerischen Innovationen zu verschreiben, bleibt Entwickler Frogwares daher seiner ersten Linie treu, hat aber auch ein dramaturgisches As im Ärmel. Im Rahmen einer Präsentation hat uns dtp Entertainment „Die neuen Abenteuer des Sherlock Holmes: Das Testament“ erstmals in Aktion gezeigt.
Der Neid der anderen
Schon sehr früh zu Beginn der Präsentation macht Frogwares seine neuen Absichten in erzählerischer Hinsicht deutlich: Sherlock Holmes soll weg vom bierernsten, unbeschwerten und sorglosen Berufskriminologen und ein neues Story-Korsett spendiert bekommen. Diesmal dreht sich alles um eine verschwundene Halskette des Marquis von Carningham. Klar, dass sich Sherlock da nicht zweimal bitten lässt und seinen Riecher einschaltet. Die Spürnase kommt schneller auf des Rätsels Lösung als so mancher Nebenbuhler wie etwa Inspektor Baynes. Der Mann ist sauer darüber. Da kommen ihm Holmes psychische Probleme gerade recht. Er fällt in Lethargie, nachdem ihn ein Journalist des Betrugs beschuldigt und seine Thesen in den publizistischen Druckmedien in ganz London und später auch überregional verbreitet. Angeblich soll unser britischer Meisterdetektiv den Behörden eine gefälschte Kette untergejubelt haben, um sich selbst im Licht des Erfolgs zu aalen.
Holmes Agenda besteht also nicht nur im Aufklären diverser Morde und Raube, gleichzeitig muss er sich mit sich selbst, seiner Person und der Frage nach seiner Existenz auseinandersetzen. Außerdem will er dem hinterlistigen, Gerüchte streuenden Journalisten auf die Schliche kommen. In der Praxis wird das wie folgt realisiert: Ständig zeigt der Detektiv eine innere Zerrissenheit auf, stellt seinen Beruf infrage und hadert schließlich sogar damit, sich selbst das Leben zu nehmen. Die enge Bindung zu Holmes wird durch einen omnipräsenten Fokus auf seine Person gelegt.
Es gibt keinerlei Erzählungen von Parallelgeschehnissen. Man weiß als Spieler selbst nur so viel, wie Holmes und vor allem wird, man als Außenstehender nicht in Kenntnis darüber gesetzt, wer der geheimnisvolle Journalist denn nun eigentlich ist. Ob dieser Ansatz im Endeffekt fesselt, kann anhand der Präsentation noch nicht beurteilt werden.
Psychospielchen und Drohungen
Auf jeden Fall hat man uns die neue dramaturgische Ausrichtung anhand eines Praxisbeispiels demonstriert. In einem Kloster soll Holmes den Mord an einem Bischof aufklären. Just als Sherlock in einem Ordensanhänger einen Verdächtigen ausgemacht hat, folgt das sich von anderen Spielen abgrenzende Verhör. Holmes nutzt psychologische Spielchen, bedroht sein Gegenüber und wird teilweise zornig. Hier wird der neue erzählerische Ansatz direkt deutlich und haucht der Point-and-Click-Reihe frischen Wind.
Ansonsten wurde wenig Einfluss auf den spielerischen Ablauf genommen, vielmehr bleibt Frogwares der genretypischen Formel - einem Mischmasch von Logik- und Denkrätseln gepaart mit der Tatortanalyse und dem Aufspüren von Beweismitteln - treu. Sein Lakai Dr. Watson darf in einem Sherlock Holmes Ableger nicht fehlen. Er ist eher der stichwortgebende Sidekick und gibt hilfreiche Ratschläge. Als drittes Mitglied im Bunde outet sich Holmes treuer Hund. Der Vierbeiner nimmt auf Wunsch die Fährte auf, erschnüffelt Fußspuren im Matsch und zwängt sich durch enge Hauseingänge.

Rein inszenatorisch fällt „Die neuen Abenteuer des Sherlock Holmes: Das Testament“ sehr stimmig aus. Das viktorianische Zeitalter wird durch Braun- und Grautöne stilisiert. Dieses Design des Spiels ist das Prunkstück, das den optischen Rahmen erst so richtig schmackhaft macht. Nicht über ein mittelmäßiges Niveau schafft es die deutsche Sprachausgabe. Die Sprecher wirken zu angespannt, angestrengt und damit wenig authentisch.
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