Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten - Vorschau
Irrenhäuser, Zauberwelten und die Erde nach einer Klimakatastrophe - Die Adventure-Spezialisten von Daedalic Entertainment ("Harveys neue Augen") suchen sich für ihre Spiele immer ganz besondere Szenarien aus. Nachdem sie uns gerade erst in "Deponia" auf einen Müllplaneten eingeladen und damit einen absoluten Hit gelandet haben, steht schon der nächste Titel in den Startlöchern: "Satinavs Ketten". Und der entführt uns in das beliebte Fantasy-Reich Aventurien - denn Daedalic hat die starke "Das Schwarze Auge"-Lizenz mit an Bord.
Beschaulichkeit, deine Name ist Aventurien
In der High Fantasy-Welt des schwarzen Auges geht es, allen dort anzutreffenden Unholden wie Orks, Ogern und Erzdämonen zum Trotz, ja eher gemächlich zu. Das Abenteurerleben, so mag man sich denken, wenn man sich die lauschigen Landschaften und urigen Charaktere anschaut, ist hier noch in Ordnung. Die Bösen sind Böse, die Guten sind gut, blutige Fehden ohne Schwarz-Weiß-Malerei und explizite Gewalt und Sexualität wie in George R. R. Martins "A Game of Thrones" sucht man hier vergebens. Trotzdem wird die Idylle immer wieder bedroht. Was gut so ist, denn ansonsten hätten die Rollenspieler ja auch nichts zu tun, wenn sie in endlosen PC- oder Pen&Paper-Sitzungen in diesen magischen Kosmos abtauchen. Und so bricht auch in "Satinavs Ketten" das Böse über Aventurien herein - in Form eines wiederauferstandenen finsteren Sehers, der Rache an denen üben will, die ihn einst auf den Scheiterhaufen brachten.
Birdman
13 Jahre ist die Hinrichtung dieses Hexenmeisters nun schon her, und ein junger Mann hat es seitdem besonders schwer: Geron, Vogelfänger und eine Art Peter Parker ohne Spiderman-Kräfte, den der verbrennende Seher einst mit seinen letzten Worten als denjenigen brandmarkte, der einmal großes Unheil über die Welt bringen würde. Als hätte der Außenseiter nicht schon genug damit zu tun, sich gegen die Häme und Beschuldigungen seiner Mitmenschen zu wehren, erzählt sein Ziehvater Gwinnling plötzlich merkwürdiges Zeug von der drohenden Rückkehr des sinisteren Propheten. Geron gibt erst einmal nicht viel auf die wirren Warnungen Gwinnlings - bis er diesen kurz darauf mit ausgestochenen Augen in seinem verwüsteten Arbeitszimmer vorfindet. Für Geron bedeutet der tragische Verlust den Auftakt zu einer abenteuerlichen Reise durch ganz Aventurien,
bei der er gemeinsam mit der Fee Nuridarinellavanda (kurz: Nuri) eine mächtige Zauberharfe finden muss, deren Klänge den Seher endgültig vernichten, in dessen Händen aber auch das Ende der Welt bedeuten könnten. Die uns vorliegende Preview-Version umfasst gut die erste Hälfte des Spiels - und lässt erahnen, dass Daedalic auch mit Lizenz großartige Adventures machen kann. Die Charaktere sind herzlich, die Rätsel stimmig, die Geschichte spannend.
Ein Bully in Andergast
Man durfte gespannt sein, wie es Daedalic gelingen würde, das typische "DSA"-Flair in einem Point&Click-Adventure einzufangen, entstammen die bisherigen Softwareumsetzungen doch allesamt dem Rollenspielgenre. Und sowohl die legendäre "Nordlandtrilogie" als auch Radon Labs "Drakensang"-Teile haben die Spielerschaft durchaus verwöhnt. Nach unseren bisherigen Eindrücken kann man besten Gewissens sagen, dass es auch Daedalic ganz fabelhaft gelungen ist, die so gemütliche wie packende Atmosphäre des "Schwarzen Auges" einzufangen. Die Figuren sind durchweg liebenswert. Hauptfigur Geron ist ein unterschätztes und missverstandenes, aber trotzdem von sich überzeugtes Schlitzohr. Feendame Nuri, die mit staunenden Augen durch die Menschenwelt läuft, schließt man mit ihrer kindlichen Naivität ebenso sofort ins Herz wie die vielen Nebenfiguren. Etwa den eitlen und knorrigen Zwergenhändler Gram, der einen kleinen Zwist mit dem hochnäsigen Ritter Zornbold auszutragen hat, oder den rüpelhaften Olgierd und seinen Handlanger Ulfried, die so auch auf Schulhöfen Brillenträgern und Bücherlesern die Unterhosen hochziehen könnten und Geron zu Beginn des Spiels gleich mal aus dem Schweinetrog kosten lassen. Die Figuren sind liebevoll vertont, jede sarkastische Spitze sitzt, nur in den seltensten Fällen wirkt ein Sprecher mal gelangweilt oder unpassend.

Eine nette Idee und kleine Huldigung an die Rollenspiel-Grundlage ist zudem die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Antwortmöglichkeiten zu wählen, etwa ob wir die Zigeunerin Isida auf die Frage nach unserer Herkunft anlügen oder die Wahrheit sagen, oder ob wir den König von Andergast ehrfurchtsvoll oder doch lieber spitzbübig antworten. Spielerisch bleibt die Entscheidung des Spielers aber folgenlos - schade, es wäre sicherlich spannend gewesen, wenn Daedalic hier noch konsequenter auf den Rollenspielaspekt eingegangen wäre.
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