Was die Jungs aus der Frankfurter Spieleschmiede Deck 13 hier, mit Ihrem ersten Rollenspiel, servieren, ist aller Ehren wert. Doch bevor wir direkt zum Dessert übergeben fangen wir mit der Vorspeise an. Wir schlüpfen in die Rolle der jungen Scarlett, in einer schicksalhaften Nacht stellt sich ihre Welt komplett auf den Kopf. Ihr Geliebter und einige Bewohner des Dorfes, indem sie haust, werden hinterrücks ermordet. Als ob dieser Schock noch nicht tief genug sitzt, lernt sie ihren Vater kennen. Niemand Geringeres als der Tod persönlich. Mit diesem starken Verbündeten in der Rückhand treten wir alsbald die Reise nach Venedig an. In einer weitaus heruntergekommeneren Version der Stadt, als wir sie noch vor Kurzem in Assassin's Creed 2 bewundern durften, erkunden wir die Stadt und versuchen das Gleichgewicht wieder herzustellen, das hier ins Wanken geraten ist. In einigen Multiple-Choice-Dialogen stellt sich heraus, ob wir wirklich nur zum Schutz der Welt antreten oder niederen Instinkten, wie Hass und Rache ihren Lauf lassen. Wir entscheiden im Verlauf des Spiels mit unseren Handlungen über den Abspann, der uns erwartet.
Gute Ideen, gut umgesetzt
In den knappen dreißig Spielstunden, die das Spiel einfordert, lernen wir den Hauptcharakter immer besser kennen. Erfahren einiges über ihre Vergangenheit und bestimmen aktiv, wie sich Gegenwart und Zukunft entwickeln. Auf dem Weg zum großen Finale schalten wir zahlreiche Gegner aus. Die verschiedenen Waffentypen sind gut ins Spiel eingepflegt, bieten aber keine allzu breite Auswahl. Die Kämpfe selber stellen sich mehr als simpel da und werden nur die wenigsten Spieler ernsthaft fordern. Das Gleiche gilt für die Rätseleinlagen, auf Kopfnüsse, die uns an den Rand der Verzweiflung bringen, warten wir vergebens, stattdessen gibt es leichte Kost.
Die Steuerung selber ist intuitiv und gefällt. Venedig will erkundet werden, die Stadt ist nur grob am Original angelehnt, anders als bei der Konkurrenz aus dem Hause Ubisoft gibt es hier recht selten einen Wiedererkennungswert. Jede Menge Schätze und Erfahrungspunkte gilt es zu finden und in Scarletts Talente zu investieren. Schließlich können wir gut ausgerüstet den Schergen besser gegenübertreten. Ein paar Kleinigkeiten, die bei einem Rollenspiel wünschenswert, aber eben nicht die Regel sind, wollen auch noch erwähnt werden. So verfügen wir über ein unbegrenztes Inventar und eine sehr nützliche Speicheroption. Die Spielwelt selber hätte zwar etwas üppiger ausfallen dürfen, erfüllt allerdings ihren Zweck voll und ganz.
Grafisch kleine Mankos
Die Darstellung der Texturen ist nicht auf dem aktuellsten Stand. Im Vergleich zu aktuellen Marktbegleitern rödelt das System, als ob es in den letzten Zügen ist. Für das was wir grafisch geboten bekommen nicht ganz nachzuvollziehen. Auch kleinere Grafikfehler, wie zum Beispiel die Darstellung der Schatten stören die gute Spielatmosphäre. Wenn es im Kampf mal schnell gehen soll, lässt sich die Kamera nicht immer so schnell einstellen, wie es nützlich wäre, aber das kennen wir ja schon von anderen Spielen. Doch genug gemeckert, beim virtuellen Erkunden von Venedig sind diese Kleinigkeiten schnell vergessen. Zu schön ist das Gesamtbild und das Flair das der Hersteller übermittelt. Die gute Einbindung des Tag- und Nachtzyklus gibt dem Spiel sehr viel Abwechslung und Interaktionsmöglichkeiten mit den Bewohnern der Stadt bringt Leben ins Spiel. Im Bereich Charakterdesign und Animationen bekommt Venetica auf jeden Fall die volle Punktzahl, hier kommt Freude beim Spielen und Zuschauen auf.
Musik liegt in der Luft
Doch nicht nur für das Auge wird etwas geboten. Besonderes Lob gibt es für die deutsche Synchronisation. Die Stimmen passen vorzüglich zu den Charakteren und tragen sehr viel zur Stimmung des Abenteuers bei. Ebenso wie die Soundeffekte, die blendend integriert wurden. Die Musik weiß zum Großteil zu gefallen, wiederholt sich aber leider dann doch in einigen Passagen. Doch das, was hier abgeliefert wird, passt sich den Aktionen im Spiel meist fix an und beflügelt. Hektische Kampfszenen oder langsames Forschen machen mit dieser Beschallung gleich noch etwas mehr Spaß.




schrieb am 03.01.1970
um 13:26