The Witcher 2 - Assassins of Kings - Test
Geralt von Riva rennt durch einen Wald. Er ist schwer verwundet, Meuchelmörder sind ihm dicht auf den Fersen. Der Hexer taumelt, bald haben ihn seine Verfolger eingeholt. Doch dann erwacht Geralt, es war alles nur ein Traum. Doch die Realität, in der er sich wiederfindet, ist nicht weniger bedrohlich als die Flucht durch das Geäst: In Ketten hängt der Hexer in einem dunklen Verlies, zu den zahlreichen Narben an seinem Körper haben sich weitere, frische Wunden gesellt. Seine beiden Bewacher, angestachelt von Alkohol und Frust über ihr Unglück beim Spiel, schlagen immer wieder auf ihn ein und demütigen ihn. Wie Geralt von Riva, als Missgeburt verschrien, als Monsterjäger geachtet, in diese missliche Lage geraten konnte, erfährt der Spieler kurz darauf, als Geralt zum Verhör mit Vernon Roche, hochrangigem Assassine im Dienste des Königs, geschleppt wird. Denn was wenige Stunden zuvor geschehen ist, spielt der Spieler in einem furiosen Tutorial nach.
Cineastischer Bombast
Die Mischung aus Verhörszenen und dem Nachspielen des Gesagten erinnert anfangs an die Erzähltechnik aus „Dragon Age 2“. In toll geschnittenen und hervorragend vertonten Dialogen berichtet der Hexer vom Angriff von König Foltest auf die Festung des verfeindeten Adelsgeschlechts der La Valettes. Geralt hatte den König kurz zuvor vor einem Attentäter gerettet, seitdem besteht der Monarch auf Geralts permanente Leibwächterschaft. Dieser ist zwar nicht gerade begeistert von seinem neuen Job, aber was kann man einem König schon abschlagen? Wie die folgenden vier kurzen Abschnitte des Prologs inszeniert sind, ist dabei atemberaubend. Vom Sturm auf die gegnerische Festung, Geralts Duell mit dessen Oberhaupt, dem brachialen Angriff eines Drachen bis hin zu einer überraschenden Wendung hetzt das Spiel von einer furiosen Szene zur nächsten: Rings um Geralt tobt der Schlachtenlärm, Katapulte bearbeiten die dicken Steinmauern. Überall stürmen hektisch Ritter und Soldaten umher, verneigen sich vor dem König, wenn er vorbei schreitet, oder reden sich gut zu. Das alles ist so packend und lebhaft inszeniert wie in einem guten Fantasy-Film. Einem brutalen, dreckigen Fantasy-Film für Erwachsene.
Parental Advisory Explicit Content
Im Vergleich zu Biowares Rollenspiel ist alles nämlich noch mal eine Spur intensiver, blutiger und düsterer. Die Welt, in der Romanautor Andrzej Sapkowski den Helden seiner Buchvorlage angesiedelt hat, ist von Korruption und politischen Intrigen durchzogen.
Hier gibt es keine einfache Schwarz-Weiss-Trennung, kein klares Gut und Böse. Überall trifft man auf Wut, Hass und Gewalt. Das Spiel hat diesen dunklen Grundtenor übernommen, noch nie zuvor waren die Figuren eines Spiels derart vielschichtig, war die Handlung so rau, wurden so viele Gewissenskonflikte beim Spieler heraufbeschworen. Ob es nun die unzensierte und freigiebige Darstellung nackter Frauen oder das häufige Nutzen des bösen „F“-Wortes in den wirklich ganz hervorragend gesprochenen Dialogen sind, „The Witcher 2“ zeigt sich von Beginn an wenig zimperlich. Als Geralt etwa auf der Suche nach einem Geheimweg zum Kloster der La Valettas durch das zuvor eingenommene Burgdorf läuft, schlagen einem die marodierenden, brandschatzenden Ritter des Königs schwer auf den Magen. Da werden unbewaffnete Bauern wahllos ermordet, und eine ganze Gruppe friedlicher Bürger soll in einem Haus eingeschlossen verbrannt werden. Greift man nicht ein, findet man wenig später anstelle des Hauses nur einen qualmenden Aschehaufen vor. Das geht gewaltig an die Nieren, ist aber gleichzeitig auch ein eindrucksvoller Beweis, wie erwachsen das Hobby Videospiele mittlerweile geworden ist.
Kabale und Liebe
Ohne zu viel von der wendungs- wie abwechslungsreichen Story verraten zu wollen, kann Geralt dem Verlies entkommen und muss sich fortan auf die Suche nach einem geheimnisvollen Mörder machen, der sich auf das Meucheln von Königen spezialisiert hat, und von dessen Verbrechen nun eines dem Hexer angelastet wird. Geralt von Riva muss nicht nur seine eigene Unschuld beweisen, er muss zudem das Land vor dem politischen Chaos bewahren, in dem es zu versinken droht, das Geheimnis seiner Vergangenheit lösen und seine entführte Freundin Triss retten.

Während seiner Reise, die ihn durch das ganze nördliche Königreich führt, von Temerien bis Aedirn, gerät er mitten hinein in adelige Machtspiele, blutige Intrigen und den anschwellenden Konflikt zwischen Menschen und den sogenannten Anderlingen, den unterdrückten Völkern der Elfen und Zwerge, von denen sich einige mittlerweile zu äußerst gewaltbereiten Untergrundtruppen, den Scoia‘Tael, organisiert haben.
Infos






schrieb am 01.06.2011
um 09:59