NeverDead - Test
Unsterblichkeit, das ist der Traum vieler Menschen. Für Bruce Boltzmann, dem Helden von NeverDead, wird das ewige Dasein hingegen zum Albtraum. Seit 500 Jahren macht er nichts anderes, als Dämonen zu schlachten. Freunde hat er keine. Auch seine Partnerin hat er verloren. Nun sucht er eine Neue. Schon 500 Jahre lang. Klar, dass das keinen Spaß macht. Leider trifft das auch auf das Actionspiel selbst zu.
Eigentlich müsste sich Bruce Boltzmann ja selbst jagen, denn der vernarbte Kerl ist von Beruf Dämonenjäger, wurde aber längst seiner eigenen Menschlichkeit beraubt. Als ihn der Dämonenkönig mit dem Fluch der Unsterblichkeit belegte, starb auch seine Frau und Helferin. Seitdem sucht Bruce nach einem neuen Medium und verdient als moderner Ghostbuster seine Brötchen. Dazu schnetzelt er sich täglich durch tonnenschweres Dämonenfleisch. Immer mit dabei: seine Schusswaffen, seine Klinge und seine Partnerin Arcadia. Gemeinsam arbeiten sie für die Regierung und säubern die Stadt vom Unrat der Unterwelt. Punkt. Mehr gibt’s vorerst nicht zu sagen. Die hübschen Rendersequenzen sind äußerst selten, noch dazu macht das Spiel ein derart großes Geheimnis um die Story, dass man schon beinahe fürchten muss, der große Knall würde gar nicht mehr kommen. Und das tut er auch nicht. Nach zehn Stunden wissen wir nur unmerklich mehr über den Helden. "NeverDead" verschenkt schon bei der Geschichte viel Potenzial und mutiert nach und nach mehr zum Trauerfall, während kurze Filmschnipsel in verwirrenden Zeitsprüngen durch die Handlung mäandern. Davon unbeeindruckt nehmen wir unseren ersten Auftrag entgegen. Der führt uns in eine verlassene Psychiatrie, wo es nicht lange dauert, bis wir erstmals die Bleipusten einsetzen dürfen. Leider kommt in "NeverDead" ein erschreckend konventionelles Waffenarsenal zum Einsatz: Pistolen, Maschinengewehre, Schrotflinten – Überraschungen darf man nicht erwarten.
Dazu verfügt Bruce über ein überdimensionales Taschenmesser, das zwar über die Jahrhunderte mächtig an Schärfe eingebüßt hat, mit dem es sich aber immer noch ordentlich metzeln lässt. Unsinnigerweise schwingen wir die Klinge nicht mit den Aktionsknöpfen, sondern mit dem rechten Analogstick. Wollt ihr also nach rechts schlagen, müsst ihr den Knüppel erst umständlich nach links drücken und anschließend in die entgegengesetzte Richtung schnellen lassen. Das soll, so vermuten wir, einen direkteren Eindruck der Kampfsteuerung vermitteln. In der Praxis führt die Daumenakrobatik aber eher zu unkoordiniertem Rumgefuchtel, vom unerträglich schwerfälligen Spielgefühl ganz zu schweigen.
Aber Bruce Boltzmann hat ja als Unsterblicher noch ein Ass im Ärmel. Lebensgefährliche Verletzungen können dem struwweligen Dämonenjäger nichts anhaben. Wir können mühelos im Sicherungskasten nach zuckenden Stromkabeln grapschen und selbst durchs heißeste Inferno stiefeln, im Notfall verlieren wir keine Lebensenergie, sondern lediglich ein Körperteil. Verlieren wir etwa ein Bein, hoppeln wir munter weiter und pappen uns die herumliegenden Gliedmaßen kurzerhand wieder an.

Wenn es hart auf hart kommt, kegeln wir sogar mit dem losen Kopf noch Gegner um. NeverDead strickt aus dem körperlichen Zerfall immer wieder witzige Szenen, zumal wir immer noch weiter ballern können, obwohl die Arme irgendwo in der Ecke liegen. Im späteren Spielverlauf darf Bruce seine abgefallenen Extremitäten sogar in die Luft jagen, oder er reißt sich auf Knopfdruck sofort das Ärmchen aus der Höhle und wirft es den hundeähnlichen Piranha-Kröten wedelnd vor den Latz. Apportieren mal anders.
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