Memento Mori 2 - Test
Memento Mori – das ist nicht nur ein Symbol der mittelalterlichen Vergänglichkeitslehre oder das Sinnbild der Romantik, sondern auch der Titel eines düsteren Adventures des tschechischen Entwicklers Centauri, das Publisher dtp Entertainment 2008 in Deutschland herausbrachte. Der Point & Click-Thriller um den ehemaligen Kunstfälscher Max und die Polizistin Lara überzeugte mit einer spannenden Mystery-Story, filmischer 3D-Inszenierung und seiner dichten Atmosphäre, kam aber bedauerlicherweise nie über den Status eines Geheimtipps heraus. Glücklicherweise glaubten sowohl dtp als auch Centauri weiter an ihr Ermittlerduo und bringen nun, vier Jahre später, den Nachfolger heraus. Denn Memento Mori 2: Wächter der Unsterblichkeit kann seinen gelungenen Vorgänger in fast allen Belangen übertreffen.
Eine Hochzeit und viele Todesfälle
Der erste Teil, Die Spur des Todesengels, bot je nach Vorgehensweise des Spielers mehrere unterschiedliche Enden an. Wächter der Unsterblichkeit knüpft konsequent an nur eines davon an: die beiden abenteuerlustigen Turteltäubchen Max und Lara haben sich mittlerweile das Ja-Wort gegeben und wollen ihre Flitterwochen friedlich unter der Sonne Kapstadts verbringen, fernab von finsteren Geheimorden, mörderischen Kunstdieben und unheilvollen Albträumen. Doch mit dem malerischen Liebesurlaub hat es bald ein jähes Ende, als ein lokaler Galeriebesitzer die Frischvermählten überredet, einen Kunstraub in seinem Museum zu untersuchen. Eher widerwillig lassen sich Max und Lara auf die Ermittlungen ein und erkennen bald, dass es die bessere Wahl gewesen wäre, weiter am Strand Cocktails zu schlürfen. Denn die Untersuchungen münden in eine wilde Verfolgungsjagd, bei der sowohl der angebliche Täter als scheinbar auch Max ums Leben kommen. Lara kann diesen schweren Schicksalsschlag kaum verkraften und um das grausame Ereignis zu überwinden, nimmt sie direkt einen neuen Auftrag an, der sie zu einem Mordfall in San Francisco führt. Doch in diesem Mordfall scheint plötzlich Max, dessen Leiche nie gefunden wurde, eine zentrale Rolle zu spielen, und Laras Vermutung, Max könne noch am Leben sein, erhält neue Nahrung.
Herz oder Hirn?
Die dichte Story, die gekonnt zwischen realistischem Horror und übersinnlichen Thrill balanciert, ist wie schon im Vorgänger eine der ganz großen Stärken des Spiels. Laras emotionaler Verfall und ihr Drahtseilakt zwischen Logik und Gefühl tragen die Handlung und machen die Figur als auch ihr Handeln menschlich und nachvollziehbar.
Immer wieder darf zudem der Spieler entscheiden, ob Lara eher rational oder emotional mit bestimmten Beweisen und Charakteren umgehen soll, was sich letztlich sogar auf die zwei unterschiedlichen Enden auswirkt. Dazwischen wartet klassische Rätselkost, die größtenteils gefällt. Für Profis dürfte manche Denkaufgabe allerdings zu einfach geraten sein, und wenn es dann doch mal happiger wird, dann liegt das weniger an einem komplexen Rätsel als mehr an mangelnden Hinweisen, was das Spiel gerade überhaupt von uns verlangt. Zudem warten einige unnötige Minispiele wie eine Gabelstaplerfahrt, die fast so nervig sind wie das Kistengeschiebe in Baphomets Fluch 3. Insgesamt ist das Rätseldesign aber gelungen, die Kombinationsaufgaben sind stets logisch und nachvollziehbar in die Geschichte eingebaut, die Detektivpassagen wie das Vergleichen von Fingerabdrücken passen zur Thematik.
Schattenspiele in Mexiko
Schon das erste Memento Mori war eines der wenigen Adventures, das seine 3D-Technik größtenteils tatsächlich im Griff hatte. Auch Memento Mori 2 ist nicht nur wirklich hübsch geworden, es nervt auch nicht mit dämlichen Blickwinkeln oder hakeliger Steuerung. Triste Umgebungen, wie es sie gelegentlich im Vorgänger noch gab, findet man ebenfalls keine. Ob Kapstadt, San Francisco oder Mexiko – die Szenarien sind toll gestaltet und bieten eine beeindruckende Lichtstimmung. Die Figuren sind detailliert gebaut und verfügen sogar über eine lebendige Mimik. Die Musik passt und untermalt die schummrige Stimmung der einzelnen Abschnitte glänzend, die Sprecher sind wie eigentlich immer bei dtp passend gewählt und in Hochform.

Memento Memento Mori 2
Was den Medieval-Mönchen und Romantikern also ihr „Gedenke des Todes“ war, darf den Adventure-Spielern nun getrost ein „Gedenke Memento Mori 2“ sein. Oder einfacher ausgedrückt: Wer Adventures mag und sich von den bunten Daedalic-Titeln leicht saturiert fühlt, der sollte Memento Mori 2 definitiv Beachtung schenken. Auch Nicht-Kenner des ersten Teils dürfen Max und Lara gerne eine Chance geben, es tut dem Rätselspaß und der mysteriösen Atmosphäre keinen Abbruch, wenn man die beiden nicht bei ihrem ersten Fall begleitet hat. Bleibt nur noch zu hoffen, dass Centauri diesmal mehr als nur ein Achtungserfolg vergönnt ist, verdient hätten sie es sich allemal.
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