Max Payne 3 - Test
Endlich ist es soweit: Rockstar hat das von Fans heiß ersehnte "Max Payne 3" veröffentlicht und schickt den in die Jahre gekommenen Ex-Cop Payne ins sonnige Brasilien. Immer noch mit reichlich Waffen, Munition und Painkiller eingedeckt, nimmt er den Kampf in den Favelas auf. Ob der Ortswechsel dem Franchise gut tut und ob das Gameplay sowie die Narrative überzeugen, erfahrt ihr jetzt.
Die Zeit läuft weiter, …
Eine heruntergekommene Bar. Ein aufgedunsener, leicht ergrauter, älterer Mann sitzt am Tresen und kippt sich einen Scotch nach dem anderen hinein. Kaum zu glauben, dass dieses Häufchen Elend einst eine ganze Mafia-Familie in den vorzeitigen Ruhestand schickte, die Chefin eines korrupten Pharmakonzerns erledigte und obendrein noch den Tod seiner Familie rächte. Ja, die vergangenen Ereignisse sind nicht spurlos an unserem Helden vorübergezogen. Ein weiterer Scotch wird bestellt. Jahre nach den Ereignissen des zweiten Teils ist Max Payne immer noch ein gebrochener Mann. Ein Mann, der nichts zu verlieren hat und sich nicht sicher ist, warum er sich nicht längst die Kugel gegeben hat. Kein Ziel vor den Augen, bis ihm eines Tages sein alter Polizeikumpel Raul Passos über den Weg läuft und ihm einen Job als Bodyguard in Brasilien beschafft. Genauer gesagt in São Paolo, dort wo die High Society lebt, während um sie herum die Armen verhungern und sterben. Dort geht es auch nach wenigen Wochen bereits zur Sache: Während einer Party auf einer Jacht werden die Partymitglieder entführt und Max, der zu diesem Zeitpunkt seinen Rausch ausgeschlafen hat, macht sich auf die Suche. Einige Wochen später wird während einer Penthouse-Party Max‘ Boss Rodrigo Branco und dessen Frau Fabiana entführt. Knapp kann er den beiden die Haut retten, allerdings werden zwei Tage darauf Fabiana und ihre Schwester Giovanna während eines Discobesuchs – richtig! – entführt. All diese Szenen werden uns aber nicht in dieser Abfolge präsentiert, da „Max Payne 3“ seine Geschichte in nicht chronologischer Reihenfolge erzählt, sodass wir oft in der Zeit hin- und herspringen. Ihr seht also, dass es im neuesten Spross der Payne-Saga ungefähr genauso so oft um Entführungen geht wie bei Super Mario, aber es geht – im Gegensatz zum Klempner – auch oft um ziemlich viel Blut vergießen mit wahnsinnig viel Stil. Wie sich die Story weiter entfaltet, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Rockstar hat die Geschichte um den gefallenen Cop jedenfalls interessant und recht realistisch weitergestrickt, zeigt uns viele Facetten unseres Protagonisten, wodurch er weniger steif wirkt, als in den Vorgängern. Klar ist jedoch Folgendes: Die Story in „Max Payne“ und „Max Payne 2“ war deutlich spannender, aber das macht die tolle Inszenierung im dritten Teil mehr als wett. Dafür sorgt die hübsche RAGE-Engine, die zusammen mit der aus The Force Unleashed oder GTA IV bekannten Euphoria-Engine für beeindruckende Animationen sorgt, die gerade bei einem Spiel wie Max Payne hervorragend zur Geltung kommen. Der Soundtrack, der sich leicht von den bekannten Payne-Tönen abhebt, wurde von der amerikanischen Noise-Rock-Band Health beigesteuert und für alle Nicht-Käufer der Limited Edition: Ein Kauf des Soundtracks lohnt sich wirklich. Pumpende Drums sorgen während der Feuergefechte für einen Adrenalinschub nach dem anderen, während Max‘ Stammsprecher James McCaffrey mit typischen Monologen und Metaphern um sich wirft. Das perfekte Payne-Glück.
…aber nichts ändert sich.
Skeptiker wussten schon anhand der ersten Bilder, dass Max‘ Ausflug nach Brasilien ja nichts werden kann. Max mit Glatze? Wo gibt es denn das? Seid beruhigt, diese Entwicklung macht, wie von Rockstar angekündigt, durchaus Sinn und passt perfekt in den Storystrang. Am alten Gameplay wurde nicht viel gedreht. Max hechtet immer noch elegant über Tische, Tresen und Treppengeländer um seine Gegner in möglichst stylischer Zeitlupe aufs Kreuz zu legen. Auch die Killcam ist wieder mit von der Partie, die den letzten Gegner einer Gruppe verlangsamt zu Boden gehen lässt, während wir ihn noch weiter mit Kugeln penetrieren können. Neu ist das Deckungssystem, dass offenbar von „GTA IV“ und „Red Dead Redemption“ entliehen wurde.
Damit kann sich Max hinter nahezu jedem Hindernis verstecken, selbst wenn es nur eine bloße Holzwand ist. Dummerweise geht die selbstredend nach einiger Zeit in die Brüche und wir sollten mit einer gekonnten Rolle in das nächste Versteck huschen. Dabei hilft uns die Bullet-Time enorm, denn ist diese aktiviert, dürfen wir jede einzelne abgefeuerte Kugel verfolgen und so präzise ausweichen. Sind wir übrigens tödlich getroffen und haben aber noch einen schmerzstillenden Painkiller im Gepäck, dürfen wir uns retten, indem wir in einer dramatischen Zeitlupensequenz den Schützen erledigen, der uns verwundet hat. Dieses Feature ist auch bitter nötig, damit wir die teils schweren Passagen lebendig überstehen können, denn selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist der Ballerspaß nicht zu unterschätzen. Das liegt unteranderem daran, dass die Munition für ein Actionspiel stellenweise überraschend rar gesät ist. Im Gegenzug halten die brasilianischen Feinde aber auch nicht sonderlich viel aus, was sich im Laufe des Spiels durch Brust- und Kopfpanzerung allerdings ändert. Nett: Versagen wir an einer Stelle regelmäßig bekommen wir nach und nach mehr Munition oder sogar Painkiller vom Spiel spendiert und unsere volle Gesundheit wird wiederhergestellt.
Die Spielzeit des Spiels ist für einen Shooter ordentlich und beträgt zwischen zwölf und 18 Stunden. Rockstar hat das Spiel und die Story abwechslungsreich genug gestaltet, dass kaum Längen spürbar sind. Mal hängen wir an einem Helikopter und nehmen Schützen auf einem Dach aufs Korn, oder sind auf einem Schnellboot unterwegs und jagen durch einen engen Kanal brasilianischen Kidnappern hinterher. Haben wir die Story dann endlich beendet, stehen uns weitere Türen offen, wie etwa diverse Arcade-Modi oder der Mehrspieler-Modus.
Mehr Schmerz!
Die Arcade-Modi bestehen aus den Spielvarianten New York Minute, in welchem wir einen Wettlauf gegen die Zeit antreten und die Level so schnell wie möglich beenden, und Score Attack, bei dem Stil, Punkte und wenig Schaden den Highscore bestimmen. Letzterer hat uns während des Tests entfernt an Bulletstorm erinnert. Sind uns diese Modi, in denen wir auch als den klassischen Max aus dem Erstling spielen können, zu langweilig, können wir uns in den überraschend umfangreichen Onlinemodus von Max Payne 3 begeben.
Treten wir Online gegen andere Spieler an, erinnert alles in der ersten Sekunde stark an den Action-Hit Call of Duty. Wir steigen in Rängen auf, können unsere Ausrüstung festlegen und haben eine nette Auswahl an Spielmodi zur Hand. Auch Perk-ähnliche Bursts sind mit von der Partie, mit denen wir etwa uns und unserem Team einen Gesundheitsschub verpassen oder für eine Weile schneller Feuern. Auch der berüchtigte Hechtsprung - oder Shootdodge – ist möglich, mit dem wir unsere Gegner stylisch über den virtuellen Jordan schicken.

Besonders interessant sind die Spielmodi Gang Wars und Payne Killer. Im Ersteren treten zwei Teams in fünf Disziplinen gegeneinander an, in denen zwischendurch sogar eine kleine Geschichte erzählt wird - stilecht von Payne Sprecher James McCaffrey. So müssen wir anfangs etwa drei Gebiete einnehmen, in Runde zwei diese verteidigen oder Geldbeutel sammeln und in unsere Basis zurückbringen. Die letzte Runde ist ein handelsübliches Team-Deathmatch. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt. Bei Payne Killer tritt ein kleines Team gegen Max Payne und seinen Partner Raul Passos an, die mit Painkiller, viel Munition und starken Waffen ausgerüstet unter den Feinden aufräumen. Töten wir einen der beiden Antihelden, schlüpfen wir in ihre Rolle – solange bis wir erschossen werden.
Der Mehrspieler-Modus und auch die Arcade-Modi sorgen für einen hohen Wiederspielwert, sodass selbst nachdem man den Story-Modus auf sämtlichen Schwierigkeitsgraden abgeschlossen hat, genügend Schmerz für jeden Geschmack vorhanden ist.
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schrieb am 03.06.2012
um 20:56