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Test - Echsendompteure gesucht

Guild Wars 2 - Test

Man stelle sich ein Fass ohne Boden vor. Eines, bei dem konstantes Nachschütten dafür sorgt, dass wir immer mit frischem Kaltgetränk unserer Wahl versorgt, geradezu überflutet werden. Das ist am Anfang wunderbar, wird nach ein paar Tagen bedenklich und spätestens nach ein paar Wochen hat man es so satt, dass einem schon bei dem Gedanken an das segensreiche Fass der kalte Schweiß ausbricht. Zum Glück gibt es aber ab und an jemanden, der keine Lust mehr hat auf das ewig gleiche Gesöff, der dem Fass einen bestimmten, aber wohlwollenden Tritt verpasst und stattdessen ein neues, kleineres, aber hochwertigeres Fass aufmacht. Ersetzt man nun Fässer und Flüssigkeiten durch Videospiele, landet man schnell beim Thema MMORPG. In einem Markt, der von zigtausend Free 2 Play-Titeln und zahlreichen müden Imitationen des einstigen und derzeitigen Genre-Primus World of WarCraft überquillt, warten wir Spieler immer sehnsüchtiger auf jemanden, der die Ketten sprengt und etwas wirklich Neues präsentiert. Einer dieser Kandidaten, der schon mächtig Vorschusslorbeeren abgesahnt hat, ist Guild Wars 2. Ob das Gratis-MMORPG das hält, was es verspricht, oder wir uns doch wieder resigniert Pandas, Orks und Elfen zuwenden müssen, haben wir in einem ausführlichen Testbericht für euch in Erfahrung gebracht.

Mächtiger Held gesucht, Herkunft egal
Doch der Weg zum Helden ist steinig und mit vielen Gefahren gepflastert. Denn seit den Ereignissen des ersten Guild Wars sind 250 Jahre vergangen, und nichts ist mehr so wie es war. Neue Technologien wie Schusswaffen haben in Tyria Einzug gehalten, wie aus dem Nichts ist mit den Sylvari eine komplett neue Rasse entstanden – und dann wären da noch riesige, fliegende Echsen, die die ganze Spielwelt in Atem halten. Denn nicht nur, dass die fünf sogenannten Alten Drachen die erfinderischen Asura und die hünenhaften Profijäger der Norn, zwei der spielbaren Völker in Guild Wars 2, aus ihrer Heimat vertrieben haben. Auch die restlichen Bewohner Tyrias bekommen die Zerstörungswut der Flugviecher am eigenen Leib zu spüren, ganze Landstriche verschwinden in den Fluten und Tyria wird von den anderen Kontinenten abgekapselt. Klingt übel? Das ist es natürlich auch. Aber den Göttern sei Dank gibt es ja uns, den Helden aus dem gemeinen Volk, der die fünf gut ausgeschlafenen Schuppentiere ins Jenseits befördern soll. Oder stammen wir doch eher aus einem alten Adelshaus?

Gemeinsam sind wir stark
Diese Frage dürfen wir in Guild Wars 2 selbst beantworten. Schon während der Charaktererstellung modellieren wir uns unseren Helden ganz nach unseren persönlichen Vorstellungen. Neben den üblichen optischen Einstellungsmöglichkeiten und altgedienten Klassen wie Dieb, Waldläufer, Krieger oder Mesmer bietet uns Guild Wars 2 nämlich die Möglichkeit, die Hintergrundgeschichte unseres Charakters anhand eines regelrechten Fragenkatalogs genau festzulegen. Je nach gewähltem Volk – mit den elfenhaften Sylvari, den katzenartigen Charr, den abgeklärten Norn, den stolzen Menschen und den erfinderischen Asura stehen uns fünf davon zur Verfügung – ändern sich die Fragen natürlich auch. Je nachdem, wie wir uns entscheiden erleben wir eine andere persönliche Geschichte. Durch diesen Kniff, den man sonst eher aus Offline-Titeln kennt, kassiert Guild Wars 2 eine Menge Punkte auf dem Atmosphäre-Konto. Auch der Wiederspielwert erhöht sich so immens, führen doch einige Entscheidungen, die wir während der Verfolgung der Storyquest treffen, auch zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen.

Damit wir aber nicht nägelkauend und Haare raufend vor dem Bildschirm zittern müssen, ob wir jetzt die richtige Wahl getroffen haben, bietet uns Guild Wars 2 noch einige andere Aufgaben. Wer ein bisschen auf Erkundungstour geht, wird beispielsweise schon vor dem ersten großen Quest-Abschnitt auf eine weitere Neuerung im Genre treffen, die sogenannten dynamischen Events. Diese werden auf zufälliger Basis aktiviert und sind gleichzeitig für alle Spieler im Einzugsradius der Mission aktiv. So müssen wir beispielsweise mit vereinten Kräften Wasserleitungen gegen sprengwütige Banditen verteidigen oder eine Seraph-Wache auf dem Weg zu einer alten Rüstkammer eskortieren und dabei reihenweise flinke Zentauren über den Jordan schicken. Diese Missionen sorgen für ein großartiges Gemeinschaftsgefühl, selbst wenn man gerade alleine im Spielerpulk unterwegs ist, denn zusammen sind wir in Guild Wars 2 stark.

Learning by doing
Durch die Mithilfe bei diesen Events erlangen wir natürlich genretypisch Erfahrungspunkte, Geld und Karmapunkte. Diese wiederum können wir bei Karmahändlern gegen besondere Gegenstände eintauschen, sofern wir für jene eine bestimmte Anzahl an Gefälligkeiten abgeleistet haben. Wem das alles noch zu anstrengend ist, kann in Tyria auch einen Gang zurückschalten und die Sehenswürdigkeiten erkunden. Schließlich gibt es auch hierfür Gold und Erfahrungspunkte, die natürlich auch zum unweigerlichen Levelaufstieg und dem Erhalt von Skillpunkten führen. Diese investieren wir aber lediglich in Hilfs- und Selbstheilungsfertigkeiten, denn wie man sich prügelt lernt man schließlich am besten durch konstantes Üben. So schalten wir in Guild Wars 2 neue Skills für unsere Waffenkombination dadurch frei, dass wir schon bekannte Skills anwenden. Das sorgt für ein wunderbar kurzweiliges Spielerlebnis, müssen wir jedoch nicht ständig zum Klassentrainer stiefeln um uns den Beutel mit neuen Fertigkeiten vollzuschaufeln. Abwechslung ist hier auch garantiert, schalten wir doch für jede erdenkliche Waffenkombi verschiedenste Skilllinien frei. Als Dieb können wir beispielsweise zwei Pistolen, eine Pistole und ein Schwert, zwei Dolche, einen Dolch und ein Schwert und noch weitere Hack- und Schießprügel miteinander kombinieren – die taktischen Möglichkeiten sind endlos. Schade nur, dass sich das Skillreservoir für eine Waffengruppierung in fünf erlernbaren Fertigkeiten erschöpft. Hier hätte man den Core-Gamern ein wenig entgegenkommen müssen, um gerade das PvP interessanter zu gestalten.

Aber immerhin hat Guild Wars 2 noch ein paar Asse im Ärmel, um die verwöhnten Zocker ruhig zu stellen. Der vermeintlich größte Trumpf: die atemberaubende Grafik. Wer einen geeigneten Rechenknecht und eine stabile Internetleitung sein Eigen nennt, wird sich ab der ersten Spielminute fragen, ob er nicht doch ein Singleplayer-RPG erworben hat. Die Liebe zum Detail, die atemberaubenden Landschaften und Siedlungen und die flüssigen, wunderhübschen Animationen lassen uns sogar manche Offline-Titel vergessen. Während wir in anderen MMOs unmotiviert durch karge Wälder, Wüsten und Wiesen streifen, macht bei Guild Wars 2 sogar das reine Erkunden Spaß. Denn die Jungs und Mädels von ArenaNet haben augenscheinlich in jede noch so kleine Ecke so viel Zeit investiert, dass das Herumstromern nie langweilig wird, gerade in Kombination mit den schon erwähnten dynamischen Events und der so konstant konstruierten Atmosphäre. Nimmt man dann noch die hervorragenden Sprecher dazu, die nicht nur unsere persönliche Backstory komplett vertonen, sondern auch in den zufälligen Unterhaltungen zwischen den in der Welt herumgondelnden NPCs glänzen können, bekommt man ein Gesamtpaket, das derzeit kein anderes MMO bieten kann.

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Infos

Guild Wars 2

Guild Wars 2

PC
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Entwickler:
ArenaNet
Publisher:
NCsoft
Genre:
MMORPG
USK:
12
Release:
28.08.2012
Link:
PC
ab 39,99 €
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