Gray Matter - Test
Wenn der Name Jane Jensen auf der Spielpackung prangt, dann weckt das große Erwartungen. Die Geschichten der legendären „Gabriel Knight“-Autorin zählen auch heute noch mit zum Besten, was das Adventure-Genre zu bieten hat. Auch „Gray Matter“, das neue Abenteuer aus der Feder der Sierra-Ikone, zieht mit seiner fantastischen, dichten Geschichte in den Bann und hilft dabei, so manche schmerzhafte Designmacke zu verkraften.
Es geschah in einer kalten, regnerischen Nacht …
Das Spiel beginnt, wie eine zünftige Gruselgeschichte zu beginnen hat: mit einer nächtlichen Reifenpanne auf einer einsamen, regennassen Landstraße. Auf dieser war die junge Mentalistin Samantha gerade nach London unterwegs, als sie vom Weg abkommt und ihr Motorrad plötzlich den Geist aufgibt. Glücklicherweise befindet sich ganz in der Nähe ein altes, dunkles Herrenhaus, das Zuflucht vor Wind und Wetter verspricht. Natürlich gehört dieses Haus einem undurchsichtigen, sagenumwobenen Professor. Als Samantha sieht, wie gerade eine junge Frau in dem Haus als neue Assistentin des Hausherren vorstellig werden will, an der Türschwelle aber dem Wahnsinn verfällt und panisch die Flucht ergreift, nutzt Samantha die Gunst der Stunde, gibt sich selbst als die neue Assistentin aus und verschafft sich so Einlass in das schaurige Gebäude. Doch anstatt sich am nächsten Morgen klammheimlich aus dem Staub zu machen, ehe der Schwindel auffliegt, gerät sie mitten hinein in ein dunkles, gefährliches Abenteuer.
Myth & Magic
Ganz so klischeehaft, wie der Anfang vermuten lässt, geht es in den folgenden Spielstunden dann aber doch nicht zu. Dr. Styles, in dessen Haut der Spieler später auch noch schlüpfen darf, ist nämlich kein irrer Wissenschaftler im Stile eines Dr. Fred aus „Manica Mansion“, sondern ein melancholisches Genie auf dem Gebiet der Neurologie, das nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau versucht, Kontakt zur verstorbenen Geliebten herzustellen. Und Samantha, eine mental begabte Zauberkünstlerin mit Hang zum Morbiden, soll ihm dabei helfen. Außerdem müssen die beiden den rätselhaften Ereignissen auf den Grund zu gehen, die seit Kurzem das nahegelegene Oxford heimsuchen, und herausfinden, welcher Zusammenhang zwischen Styles heimischen Experimenten und den paranormalen Aktivitäten in der Universitätsstadt besteht.
Mit ihrer packenden Mischung aus Mythen und Mätzchen, Realität und Fiktion hat es Jane Jensen wieder einmal geschafft, eine unheimlich fesselnde Geschichte zu erzählen. Auch wenn manche Figur in der Geschichte dann doch arg schablonenhaft wirkt, werden Freunde von „Gabriel Knight“, „Black Mirror“ und Co. voll auf ihre Kosten kommen.
Aller Anfang ist schwer
Das Spiel lässt es zu Beginn erst einmal gemächlich angehen. Samantha erwacht am Morgen nach ihrer Notlüge im ihr zur Verfügung gestellten Zimmer des unheimlichen Domizils. Dort muss sie als Erstes ihr ausgebüchstes Kaninchen finden und füttern. Wo das Kaninchen plötzlich herkommt, ist scheinbar unwichtig, aber auch essenziellere Fragen, etwa was Samantha in London wollte oder was es mit ihrer magischen Begabung auf sich hat, bleiben anfangs unbeantwortet.
Diese nichtige Einstiegsaufgabe dient als Tutorial. Das ist eigentlich zwar löblich, auch wenn die Steuerung an sich nicht sonderlich schwierig ist, allerdings hätte man ein solches Tutorial auch sinnvoller in die Geschichte einbauen können, etwa indem man Samantha versuchen ließe, ihr defektes Motorrad zu reparieren.
Viel Licht, reichlich Schatten
Anschließend erkundet Samantha das Herrenhaus, und hier zeigt das Spiel gleich zwei seiner wesentlichen Charakterzüge:
Einerseits die sehr stimmig gehaltenen Hintergründe. Vor allem im späteren Spielverlauf, wenn Samantha die berühmte Universitätsstadt Oxford mit ihren zahlreichen touristentauglichen Altbauten erkundet, begeistern die Zeichnungen mit einer ungeheuren Originaltreue und Liebe zum Detail.

Leider wirken die hübschen Hintergründe gleichzeitig sehr leblos, fast wie ein Gemälde, vor denen die grobzügigen, ungelenk animierten Figuren erst recht negativ auffallen. Der spärliche Einsatz von Hintergrundgeräuschen und Musik verstärkt noch den leicht sterilen Eindruck.
Außerdem wird gleich klar, dass sämtliche Hotspots eines Levels abgeklappert werden müssen, damit das Spiel fortfährt.
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schrieb am 02.12.2010
um 18:40
schrieb am 05.12.2010
um 12:35