Doom 3 - BFG Edition - Test
Doom und die BFG, das ist wie Siegfried & Roy und weiße Tiger, wie Apple und iPhone, wie Nirvana und Kurt Cobain. Wir haben es hier ganz klar mit Rockstars der Spielszene zu tun. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es diese Combo in 20 Jahren gerade mal auf drei Spiele gebracht hat. Dennoch hält Doom in den Köpfen der Spielergemeinde einen Kultstatus inne, von dem so manch andere große Marke nur träumen kann. Obwohl es nicht das erste seiner Art war, zementierte Doom den Siegeszug der Ego Shooter. Auf einmal war es da und traf mit seiner vorbildlichen Steuerung, dem flotten Spielverlauf und der seinerzeit derben Grafik den Nerv einer ganzen Generation. Und so erinnern wir uns in wohliger Wehmut an zig schlaflose Nächte aufseiten der Spieler und Jugendschützer.
Auf Orpheus Spuren
Pünktlich zum kommenden 20jährigen Jubiläum der Reihe, beschert uns id Software ein gut geschnürtes Paket digitaler Geschichte. Denn neben dem jüngsten Spross, welcher auf der letzten Konsolengeneration und PC beheimatet war, geben sich sowohl diverse Bonusmissionen als auch die beiden Vorgänger ein Stelldichein. Bei letztgenannten Perlen wurde dabei lediglich der Sound für moderne Surround-Anlagen angepasst und die Optik dezent aufpoliert. Das Gameplay blieb charmanterweise unangetastet, und das ist auch gut so! Nach oben und unten gucken zu können ist schließlich neumodischer Tinnef, und braucht man wirklich mehr als sechs Waffen?! Wer sich heutzutage also noch drauf einlassen mag, wird auch nach all den Jahren glücklich damit, durch verwinkelte Labyrinthe zu hetzten, mit Sidesteps Feuerbällen auszuweichen, farbcodierte Schlüsselkarten aufzusammeln und der Bitmap Brut in 3D Arealen die Hölle heißzumachen. Nichtsdestoweniger sind Doom Eins und Zwei Dinosaurier, weswegen wir uns hier mit Teil Drei befassen möchten, dem Missing Link zum modernen Shooter.
Doom 3 führte neben High-End-Optik und modernisierter Steuerung auch so was wie eine Geschichte ein. Wobei diese genaugenommen den Plot der Vorgänger erneut aufgreift, die es allerdings versäumt hatten, uns diesbezüglich erzählerisch irgendetwas zu vermitteln. Viel zu wissen gibt es da aber eh nicht. Als auf dem Mars stationierter Marine werden wir Zeuge, wie durch Experimente ein Tor zur Hölle aufgerissen wird, woraufhin Satans Schergen aus der Basis ein Körperteilpuzzle machen. Grund genug, die Waffe in die Hand zu nehmen und loszuballern.
Viel interessanter als die Story, waren da schon die Veränderungen, welche id Software am Spielprinzip vornahm. Zwar blieb der labyrinthische Aufbau erhalten, allerdings wurde die Wegfindung durch offene oder eben geschlossene Türen deutlich gelenkt. Die Map – in den anderen Teilen so dermaßen wichtig, dass man sich zuweilen direkt auf dieser durch die Areale bewegte – entfiel völlig. Dazu wurde Licht auf einige wenige Inseln in einer ansonsten finsteren Umgebung reduziert. Okay, wir hatten eine Taschenlampe, aber hier leistete man sich eine Designentscheidung, die nicht jedem zusagte. Denn unser ach so harter Soldat war einfach nicht in der Lage, Lampe und Wumme gleichzeitig zu halten. Dementsprechend musste man sich durchweg entscheiden: Die Räume ausleuchten oder schießen.
Da andererseits ein wesentliches Element der Reihe beibehalten wurde, nämlich dass sich immer wieder urplötzlich um uns herum Nischen in Wänden auftun, in denen Gegner lauern, war Panik folglich vorprogrammiert. Ein sowohl mutiger als auch kontroverser Ansatz, der in der aktuellen Fassung allerdings entschärft wurde. Unser einseitiger Befehlsempfänger hat nämlich gelernt, seine Funzel irgendwo an die Rüstung zu hängen, so dass ein Wechsel unserer Prioritäten nicht mehr nötig ist.
Frisches Blut auf alten Laken
Neben der auf HD getrimmten Grafik und dem 5:1 Sound ist ansonsten alles beim Alten geblieben. Unter Einsatz einer für heutige Verhältnisse recht begrenzten Zahl an Waffen wie Schrotflinte, Gatling Gun und die ikonische BFG 9000, kämpfen wir uns durch die überrannte Basis. Zombifizierte Soldaten zählen ebenso zu unseren Gegnern, wie plötzlich in die Räume teleportierte Monstrositäten und fliegende Totenschädel. So etwas wie einen regenerativen Schutzschild gibt es nicht. Sowohl Lebensenergie als auch Rüstung füllt man durch das Einsammeln entsprechender Items auf, wobei Erstere alternativ auch an mengenbegrenzten Erste Hilfe Stationen getankt werden darf. Auch Munition lässt sich an allen Ecken und Enden auflesen, und stellt nicht wirklich eine Sorge des Spielers dar. Mit Zahlencodes verschlossene Lagerschränke öffnen wir, indem wir PDAs an uns nehmen und Voice- sowie E-Mails der Mitarbeiter durchstöbern. Allerdings gilt es wie gesagt zu bedenken, dass so gut wie immer, wenn man einen verlockenden Haufen an Pick-ups einsackt, ein Trigger ausgelöst wird. Hinter uns öffnet sich eine verborgene Tür, Gegner stürmen auf uns zu und man hat plötzlich weniger Munition und Energie als zuvor. Sicher sollte man sich bei Doom 3 also niemals fühlen. Dank der Atmosphäre, die alles andere als Behaglichkeit ausstrahlt und durchaus als geistiger Vater von Dead Space genannt werden darf, kommt man aber ohnehin eher selten in diese Verlegenheit. Das seinerzeit aufsehenerregende Spiel aus Licht und Schatten rührt nach wie vor an unseren Urängsten und kommt nun deutlich schärfer und knackiger daher. Die unheimliche Geräuschkulisse bläst ins gleiche Horn und gewinnt durch aktuelle Technik ebenso an Wirkung.

Obwohl Doom 3 somit in Würde gealtert ist, wäre dennoch deutlich mehr drin gewesen. Es ist zwar nett, dass man auf Gesichtern der Figuren nun HD-Poren erkennen kann, was nutzt das aber, wenn so vieles andere aus der Nähe so dermaßen aufpixelt, das man zuweilen glauben könnte, man zocke den zweiten Teil. Zudem friert das Spiel während der Auto Saves kurz ein. Ein absoluter Stimmungskiller. Dafür machen die neuen deutschen Sprecher einen erstaunlich guten Job und die Kompositionen aus der Feder von Chris Venna (ehemals Nine Inch Nails) sind sowieso zeitlos.
Den letzten Absatz widmen wir nun ausnahmsweise einem im Test ungenannten, aber dafür umso derberen Kritikpunkt: Aus irgendeinem unerfindlichen Grund wurde der heißgeliebte Koop-Modus des dritten Teils wegrationalisiert! Weitere Worte diesbezüglich sparen wir uns, um der aufkeimenden und vollkommen gerechtfertigten Empörung möglichst viel Raum zu lassen.
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