DiRT Showdown - Test
Nachdem bereits Namco seine Traditionsreihe Ridge Racer mit dem Ableger Unbounded aus dem biederen Korsett der Seriosität schnitt, gerät nun gut zwei Monate später der Rallye-Primus DiRT auf die schiefe Bahn, und zeigt sich in Showdown von seiner martialischen Seite. Fuhr man einstmals auf der Jagd nach Bestzeiten einsam durch die Rallye-Pampa, steht nun Geselligkeit auf dem Fahrplan. Und dabei gilt: je enger desto besser! Denn es darf gecrasht werden!
Fahrwerk unter Feuer
Das hervorstechendste Merkmal von Showdown sind klar die Rangeleien im Stile eines Destruction Derby. Doch auch klassische Rennen, in denen Schubser natürlich erwünscht sind, und Hoonigan-Trickkurse, die DiRT-Veteranen noch am ehesten vertraut erscheinen, gilt es zu bewältigen. In der Karriere, die aus vier Meisterschaften mit jeweils zwölf Wettbewerben plus Finale besteht, kämpft man also mal um die beste Platzierung, während es im nächsten Moment darum geht, der Konkurrenz ordentlich was aufs Karosserie-Maul zu hauen. Dabei sorgen Variationen in der Aufgabenstellung für Abwechslung. So werden wir mitunter zum einzig Gejagten in der Arena, versuchen nicht von einem Podest gestoßen zu werden, oder müssen in Teilabschnitten auf der Strecke Bestzeiten erlangen, um später in der Punktewertung auf dem Treppchen zu landen. Ein dritter Platz reicht aus, um einen Pokal zu erlangen, wodurch weitere Kurse freigeschaltet werden. Somit ist es möglich, einzelne Aufgaben zu überspringen, und trotzdem in der verhältnismäßig einfachen Kampagne voranzukommen.
Die Art der Wettbewerbsklasse beschränkt auch die Wahl der Fahrzeuge. Es liegt schließlich auf der Hand, dass ein Van beispielsweise besser dafür geeignet ist, gegnerisches Blech in dafür nicht vorgesehene Formen zwängen, als sich durch einen filigranen Trickkurs zu schlängeln. Unseren Fuhrpark stocken wir durch Preisgelder auf, oder wir investieren die Moneten ins Tuning bereits vorhandener Karren. Dies ist auch dringend nötig, wenn man bedenkt, dass sich die ersten Kisten steuern wie Ziegelsteine mit Schlafmangel. Am Beginn der Karriere hat man dadurch auf den teils engen Strecken eher den Eindruck gemächlich Tetris zu spielen, anstatt einen wilden Rüpelraser zu zocken. Hier wurde bei der Dynamik geschlampt, die erst mit späteren flotten Vehikeln Einzug erhält. Dafür lassen sich die PS-Monster recht schnell ohne größere Probleme handhaben und selbst wenn mal was schief fährt, sorgt ein Gummibandeffekt dafür, dass wir nie allzu weit ins Abseits geraten. Allerdings liegt es quasi in der Natur der Sache, dass speziell die Rampage-Wettbewerbe, beziehungsweise die Platzierung in jenen, nicht zuletzt auch dem Faktor Glück unterworfen sind. Es lässt sich nun mal nicht abschätzen, ob auf einer Strecke, die wie eine Acht geformt ist, beim Überqueren der Kreuzung ein Auto in unsere Seite kracht oder nicht. Und wenn dann in den Arenen, in den letzten 30 Sekunden die doppelte Punktzahl gilt, ist eine sicher geglaubte Führung schnell dahin, oder eben auch errungen. Ob dies für Frust sorgt oder für Spaß, ist vermutlich von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Der feingeistige Lenkradakrobat sieht in dem Prinzip wohl eher ein Makel auf seinem Kunstwerk, während der adrenalinzittrige Fun-Racer das Chaos herzlich willkommen heißt.
Erstere werden dann aber mit den anspruchsvollen Hoonigan-Läufen versöhnt, in denen das fahrerische Können tatsächlich im Vordergrund steht. Wem die geforderten Drifts und Donuts schwerfallen, übt diese ohne Konkurrenz und Zeitdruck im Joyride–Modus abseits der Karriere auf zwei eigens dafür kreierten Industriekomplexen in Yokohoma und Battersea.
Worin sich aber mit Sicherheit alle Zockergattungen einig sind, ist die Tatsache, dass die meiste Freude aufkommt, rockt man DiRT Showdown Online oder im Splitscreen. Natürlich bleibt das Chaos erhalten, und natürlich spielt auch hier Glück eine Rolle, aber zumindest hat man den Eindruck, dass es im Wettbewerb gegen menschliche Kontrahenten, schließlich allen so geht. Und Klassiker wie Capture the Flag entfalten ihr Potenzial naturgemäß eben durch die empörten Schreie der Gegenseite, selbst wenn diese mangels Headset nicht gehört werden.
Zu guter Letzt kann man sich noch im Challenge-Modus verdingen, dessen Ziel darin besteht, von anderen Gamern vorgegebene Leistungen in einzelnen Wettbewerben zu überbieten.
Fahren unter Feuerwerk
Die Rennstrecken und Arenen sind in verschiedenen Städten angesiedelt, welche die Hintergrundoptik vorgeben. Diese bleibt in jedem Ort zwar immer gleich, wird durch wechselnde Tageszeiten oder Witterungsbedingungen aber ausreichend variiert. So lenkt ein schickes nächtliches Feuerwerk auf der Golden Gate Bridge in San Fransisco schon mal vom Renngeschehen ab, während es in Michigan zuweilen in Strömen regnet. Im verschneiten Colorado wünscht man sich Kufen statt Reifen und in Miami zirkelt man sich vor der Kulisse eines wunderschönen Sonnenunterganges durch die Stadt.
Optisch kann man DiRT kaum etwas vorwerfen. Die Umgebungen sind schick in Szene gesetzt, an allen Ecken und Enden sorgen Pyroeffekte für Festivalstimmung und die Verformungen der Karosserien nach Crashs sind ansprechend dargestellt. Auch technisch gibt es nichts zu mäkeln. Weder eine einbrechende Bildrate, noch Tearing stört das stimmige Gesamtbild, dafür nervt so manche Ladezeit.

Trotz allen Lobes lässt sich aber leider auch nicht leugnen, dass es dem Spiel insgesamt an Wumms und Geschwindigkeit mangelt. Die tatsächliche Wucht eines Aufpralls ist in vergleichbaren Titeln schon deutlich spürbarer umgesetzt worden. Crashs wirken verhältnismäßig zahm, die Autos nicht schwer genug, wodurch es Showdown, in seiner Fokussierung auf Unfälle, an einem für diese Spielgattung äußerst wichtigen Attribut fehlt. Diesbezüglich drängt die Konkurrenz Codemasters jüngsten Spross gnadenlos in die Bande und fährt mit Abstand den Sieg ein.
Analog zur Verjüngung des Konzeptes, bietet der Soundtrack eine krachige Mischung aus Hip-Rock-Punk-Metal-Trance, bei der für jeden etwas zum Mitwippen dabei sein sollte. Einzig der hölzerne deutsche Kommentator sticht durch seine teils grenzdebilen Sprüche wirklich negativ heraus. Aber das ist ja heutzutage leider so üblich, warum auch immer.
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schrieb am 11.06.2012
um 09:03