Deadly 30 - Test
Wir Spieler haben eine ganz besondere Liebe zu Zombies entwickelt. Man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man Horden von ihnen niedermäht. Außerdem lassen sie sich am besten durch einen Kopftreffer erledigen, was für eine gewisse Herausforderung sorgt. Aber die verwesten Körper können einem auch ziemlich auf den Senkel gehen. Vor allem dann, wenn sie in der Masse auftreten. Also basiert die Beziehung zwischen Gamern und Zombies eher auf einer Hassliebe, die durch Spiele wie Deadly 30 weiter ausgebaut wird. Denn auch hier stehen uns blutige Gefechte mit den Untoten bevor, allerdings in klassischer Sidescroller-Manier, gemischt mit einer priese Tower Defense und einem Schuss Rollenspiel. Entwickelt von zwei Freunden und preislich auf Zigarettenschachtel-Niveau, können wir den Titel bedenkenlos in die Indie Game-Sparte stecken. Was ihr von Deadly 30 erwarten könnt, wollen wir euch nun in unserem Test näher bringen.
Multikulti
Wir beginnen das Spiel als namenloser US-Soldat während des Zweiten Weltkriegs, irgendwo im Nirgendwo und wissen auch nicht wirklich, was wir hier verloren haben. Jedoch wird uns in der ersten Minute klar gemacht, dass wir nicht alleine sind. Zombies belagern unser gerade gefundenes Versteck, das es nun zu verteidigen gilt. Dabei können wir mit Glück, Hilfe von einem ständig von Wodka schwärmenden russischen Soldaten, sowie einer Nazi-Komandantin, die mit einer Bratpfanne bewaffnet ist, bekommen. Ein wahrlich ungleiches Trio, das nun miteinander auskommen muss, um 30 Nächte des Horrors zu überleben.
Eine richtige Story gibt es hingegen nicht. In jeder der fünf Nächte bekommt ihr eine kurze Zwischensequenz, die euch die Figuren ein wenig näher bringen will und lustig sein soll, ihr über ein Schmunzeln jedoch nicht hinwegkommt. Jeder der Charaktere hat verschiedene Waffen, aber leider keine speziellen Fähigkeiten. Der Amerikaner wird mit Maschinenpistolen bewaffnet, der Russe darf Gewehre nutzen und die Nazi-Dame eine Reihe an Schrotflinten.
Trautes Heim, Glück allein
In eurem Versteck angekommen, habt ihr nur ein Ziel vor Augen, überleben. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigt ihr natürlich stärkere Bleipusten, die dazugehörige Munition, Verbandszeug sowie erstklassige Verteidigungsanlagen, die euer neues Zuhause für die 30 Nächte schützen sollen. Aber woher nehmen wenn nicht stehlen? Ganz einfach, tagsüber ist die Zombieflut überschaubar, was euch einen Ausgang ermöglicht. Auf euren Spaziergängen durch die fünf Level-Abschnitte, wie ein Kornfeld oder eine verschneite Landschaft, sammelt ihr Metallteile auf, die ihr zum Herstellen von Waffen und Upgrades benötigt.
Diese liegen entweder auf dem Boden, befinden sich in Kisten oder werden durch das Auseinandernehmen von kaputten Fahrzeugen ergattert. Doch plant eure Ausflüge mit großer Vorsicht, denn wenn die Nacht hereinbricht und ihr noch nicht in eurem sicheren Versteck seid, könnt ihr euch eigentlich direkt selbst die Kugel geben. Nachts bricht im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle über euch herein. Untote Unholde in Massen, sowie beschränkte Sicht lassen das Trio kaum zehn Sekunden überleben. Hier ist nun eine Menge Taktik und Trial & Error angesagt, denn es gilt herauszufinden, wie weit man sich eigentlich vorwagen darf und wie viel Zeit es benötigt, um wieder heil zurückzukehren.
Dabei soll euch ein kleines Icon am oberen Bildschirmrand helfen, was anzeigt, welche Tageszeit gerade angebrochen ist.
Und noch mal von neu, juhu!
Nach einer gewissen Zeit und um paar Neustarts reicher, bekommt ihr ein Gefühl für den Tag- und Nachtwechsel. Nun dürft ihr Metallteile sammeln, bis der Arzt kommt und das jeden Tag. Am Anfang noch interessant, werden die täglichen Ausflüge bald ziemlich nervig. Was aber dennoch motiviert, ist das Verbessern der Charaktere und der eigenen Basis. Ihr beginnt eine wahre Angst vor der Nacht zu entwickeln und tut alles um das Trio am Leben zu erhalten. Das geht am besten, in dem ihr den Charakteren bessere Waffen und dickere Rüstung spendiert. Für eure Basis gibt es Geschütztürme, Zäune und Mauern sowie Holzkisten, die für kurze Zeit Gegner aufhalten können. Das alles bezahlt ihr mit euren gefundenen Metallteilen.
Jedoch gehen hier Spaß und Frustration Hand in Hand. Um wirklich alle Nächte zu überstehen, ist Perfektion gefragt, denn es bleibt nicht viel Platz für Fehler. Das lässt sich am folgenden Beispiel am besten erklären. Während unserer Spielzeit mussten wir mindestens sechs Mal von neu Anfangen, um den Abspann zu sehen. Im Grunde zwar halb so wild, da die Spielzeit an sich nicht lang ist, jedoch schlägt sich das auf die Motivation nieder. Wieso? Ganz einfach, die letzte Nacht haben wir in einer wahnsinnig erschöpfenden Kampfhandlung überstanden und das nur, weil Glück im Spiel war. Wieso war der letzte Kampf so schwer? Weil uns in den 30 Nächten nur ein Geschütz zu Bruch gegangen ist, das 6000 Metallteile gekostet hat, die uns in der letzten Nacht für die dickste Mauer gefehlt haben. Bedeutet im Klartext, macht ihr ein Fehler, könnt ihr einpacken.
Blutig, blutig Halleluja
Weiß man so was als nichts ahnender Spieler, der zum ersten Mal einen Versuch startet, die 30 Nächte zu überleben? Nein, leider nicht. Ist es frustrierend, wenn man sich alle Mühe gibt, kein Profi ist und trotz fast perfektem Spieldurchgang am Ende durch einen einzigen Fehler scheitert? Oh ja, darauf könnt ihr wetten. Wenn man hier aber nun bedenkt, dass uns gerade der Schwierigkeitsgrad den Motivationsschub gegeben hat, den wir gebraucht haben, könnte man fast schon meinen es sei so gewollt. Es gibt nichts Schöneres, als den abartig schwerer werdenden Zombiewellen in den Hintern zu treten. Ein weiteres Manko liegt im Tag und Nacht wechsel und da dieser im Grunde das Betreten zweier Levels verhindert. Wir haben es geschafft alle Nächte zu überleben, ohne die letzten zwei Level-Abschnitte zu erkunden, schade eigentlich, aber sogar mit dem Upgrade für flottere Treter war es nicht ratsam, weiter zu gehen.

Das ganze Spiel basiert auf einem Flash-Gerüst, das leider wie so oft, ins Wanken gerät. Nachladeruckler stören ab und an das Spielerlebnis, vor allem wenn eine ganze Menge blutiger Matsch auf dem Boden liegt. Trotzdem ist der Grafikstil passend und der Effekt der Dunkelheit, die von eurer Taschenlampe geschnitten wird, versprüht Survival-Stimmung. Der Soundtrack, der im Hintergrund vor sich hin dudelt, fällt interessanterweise kaum auf, ist aber an sich stimmungsvoll und unaufdringlich. Die richtig fetzige Musik startet erst, wenn es euch an den Kragen geht. Bedeutet, wenn ihr gerade von Zombiewellen überrannt werdet und um euer Leben kämpft, passt!
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