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Test - Traumhochzeit

Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten - Test

Ein guter Seher ist immer nur so beliebt wie seine Vorhersagen. Krake Paul etwa wäre sicherlich sofort auf einem Calamaris-Teller gelandet, wenn sie bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 nicht ständig brav auf Siege für Jogis Jungs gesetzt hätte. Weit Schlimmeres als eine Niederlage der aventurischen Nationalmannschaft sagt der Seher in Satinavs Ketten, dem neuen Adventure von Daedalic Entertainment (Deponia) voraus, nämlich den Untergang des Städtchens Andergast. Prompt wird der Schwarzmaler auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und weil er kurz vor seinem Tod auch noch den kleinen Geron als Urheber der Katastrophe ausmacht, ist dieser bald unbeliebter als Arjen Robben nach dem Champions League-Finale. Unsere Aufgabe ist es, dem armen Geron dabei zu helfen, das Unheil abzuwenden, denn 13 Jahre nach seinem Tod deutet sich bald an, dass sich die Worte des Sehers bewahrheiten könnten. Begleitet von der zauberhaften Fee Nuri begibt sich Tollpatsch Geron auf einen rätselreichen Streifzug durch die phantastische Welt Aventuriens, um mal eben seine Heimat zu retten.

Das Beste aus zwei Welten
Mit Satinavs Ketten kommt zusammen, was zusammengehört. Aventurien, Schauplatz von Deutschlands erfolgreichster Pen- & Paper-Rollenspielserie Das Schwarze Auge, mit seinen mauscheligen Landstrichen und den kauzigen Charakteren scheint wie gemacht für eine Runde gemütliches Point&Click-Rätseln, und die ebenfalls aus Deutschland stammenden Mannen von Daedalic halten just dieses Point&Click-Genre fast im Alleingang am Leben und bringen scheinbar mühelos eine Adenture-Perle nach der anderen heraus. DSA und Daedalic - klingt nach einer Traumpartnerschaft, oder? Und ja, ist es auch. Satinavs Ketten besitzt alle Tugenden der Titel wie Deponia oder The Whispered World und überträgt sie schwundfrei in die Welt der schwarzfelligen Orks und Mittelländer. Nachdem wir schon vor einigen Monaten die erste Hälfte spielen konnten, liegt mit einiger Verzögerung nun endlich die finale Version vor. Und diese kann die hohe Qualität bestätigen, die die Preview-Version schon angedeutet hat.

Me against the world
Junger Held wider Willen rettet die Welt - nun gut, dieses Storygerüst ist nicht gerade neu und wurde sogar von Daedalic selbst bereits in The Whispered World aufgebaut. Nichtsdestotrotz wird die Geschichte von Satinavs Ketten zu keiner Zeit langweilig, was vor allem an den märchenhaften Orten liegt, die Geron bereist. Das beschauliche Andergast, das grüne Thaschgebierge, das verzauberte Feenreich oder am Ende die düstere Version von Gerons Heimat, die Locations sind alle außerordentlich stimmig geraten. Wer schon bei Drakensang gerne einfach nur durch die lauschigen Gegenden wanderte, der wird sich in Satinavs Ketten gleich heimisch fühlen. Dazu tragen auch die kauzigen Figuren bei, mit denen Daedalic die Ortschaften bevölkert hat.

Die Fieslinge Olgierd und Ulfried sind Rüpel in bester Schulhof-Tradition, Nuri kommentiert ihre Umwelt mit einer Kindlichkeit, die an Leeloo aus Das fünfte Element erinnert, und der Streit zwischen dem Ritter Zornbold und dem Zwerg Gram stellt sich dar wie zwei zankende Kinder, die sich um eine Panini-Sammelkarte in die Haare kriegen. Bei aller zur Schau gestellten Gemütlichkeit muss allerdings angemerkt werden, dass es in Satinavs Ketten teilweise durchaus düster zur Sache geht. Wenn etwa direkt zu Beginn des Spiels Gerons Ziehvater ermordet wird oder Andergast am Ende vom Unheil heimgesucht wird, dann schlägt Daedalic weitaus ernstere Töne an als etwa in The Whispered World oder Deponia. Der Selbstmord einer liebenswerten Figur, die sich aus Schuld das Leben nimmt, ist sogar ein richtiger Schlag in den Magen.

Große Rätsel auf kleinem Raum
Wie von Daedalic auch nicht anders zu erwarten war, präsentieren sich die Rätsel auf hohem Niveau. Die Aufgaben sind niemals zu abgefahren, warten aber dennoch mit angenehm komplexen Rätselketten auf. Die Anzahl der Schauplätze und Gegenstände im Inventar bleibt immer überschaubar, aber Gerons Ausflug ins Orkland etwa oder die Suche nach dem Feenforscher in der Magier-Akademie sind beeindruckende Beispiele dafür, wie ausgefeilt und ausdauernd auch auf engem Raum gerätselt werden kann. Zusätzlich ausgebaut werden die Denkaufgaben noch durch Gerons Fähigkeit, kleinere und größere Gegenstände durch reine Willenskraft zerstören zu können, und Nuris konstruktives Pendant. Die mentalen Fähigkeiten müssen immer mal wieder eingesetzt werden, etwa wenn Geron versucht, sich gefesselt aus einer dunklen Mühle zu befreien. Das ist stets spaßig, etwas ärgerlich ist aber die Willkür der zu zerstörenden Gegenstände. Manchmal wäre der einfachste Weg, ein Hindernis einfach in eine Staubwolke zu verwandeln, aber an diesen Stellen sieht die Spielmechanik eben eine andere Lösung vor. Wenn man außerdem noch unbedingt meckern möchte, dann könnte man anmerken, dass die Balance zwischen erster und zweiter Spielhälfte etwas unausgewogen ist. Während man relativ zügig bis zum Hafen von Enqui kommt, zieht Daedalic die Rätselschraube im Feenreich oder auf der Rabenspitze ordentlich an. Unfair wird es aber zu keiner Zeit.

Ölgemälde
Auf technischer Seite präsentiert sich Satinavs Ketten zwar gewöhnungsbedürftig, dafür aber konsequent und stimmig. Der Stil erinnert ein wenig an interaktive Ölgemälde. Das zaubert zum einen zwar fantastische Hintergründe auf den Monitor, wirkt bisweilen aber auch etwas unlebendig. Zwar gibt es Hintergrundspielereien wie Wasserfälle oder Tiere, deren Bewegungen bestehen aber immer aus den gleichen, wenigen Animationen. Auch die Animationen von Geron und den anderen Charakteren wirkt manchmal arg hölzern, was vor allem in der Nahansicht während der Dialoge missfällt. Dort darf man meistens übrigens zwischen mehreren möglichen Antworten wählen, Einfluss auf das weitere Spiel hat das allerdings nicht. Musikalisch gibt es nichts zu meckern, die Hintergrundmusik ist angenehm zurückhaltend, aber passend, und die Sprecher machen einen großartigen Job.

Das Pixar der Spieleindustrie
Daedalic erinnert immer mehr an die kalifornische Trickfilmschmiede von Pixar (Toy Story, Findet Nemo). Jeder ihrer Filme weist eine ganze eigene Handschrift auf, und jeder ihrer Trickfilme ist ein Meisterwerk. Wo Pixar dann von Superheldenfamilien, Clownsfischen auf der Suche nach ihren Söhnen oder liebeskranken Robotern erzählt, berichtet Daedalics uns von Ausbruchsversuchen aus Irrenhäusern, Fluchten von Müllplaneten oder Abenteuern in geflüsterten Welten und schafft es dabei immer wieder, sich neu zu erfinden oder zumindest doch stets zu überraschen. In die lange Reihe von außergewöhnlichen Adventure-Hits reiht sich Satinavs Ketten nahtlos ein. Wer ein ähnlich familienfreundliches Abenteuer wie The Whispered World erwartet, der sollte sich vor allem ab der zweiten Spielhälfte auf ein paar unschöne Szenen einstellen. Ansonsten aber ist es Daeadlic perfekt gelungen, die einzigartige DSA-Atmosphäre einzufangen, eine tolle Geschichte zu erzählen und nebenbei auch noch ein hervorragendes Adventure zu programmieren. Und auch wenn die Pixar Studios immer wieder neue Welten erschaffen, so bleibt wie im Falle von Toy Story oder Cars hier und da auch Zeit für eine Fortsetzung. Daedalic bringt bald Chaos auf Deponia heraus, und vielleicht nimmt man sich ja danach irgendwann noch mal der Geschichte eines jungen tollpatischen Helden an, den keiner mochte.

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Infos

Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten

Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten

PC
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Entwickler:
Daedalic Entertainment
Publisher:
Deep Silver
Genre:
Point'n'Click-Adventure
USK:
12
Release:
22.06.2012
Link:
PC
ab 17,01 €
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