Black Mirror III - Test
Nachdem wir vor wenigen Wochen bereits eine weit fortgeschrittene Vorabversion des Trilogie-Abschlusses durchgespielt haben, sind wir nun noch einmal mit der fertigen Verkaufsversion ins neblige Willow Creek gereist, um zu prüfen, ob das fertige Spiel hält, was die Vorabversion bereits versprochen hat, und ob „Black Mirror 3“ der würdige Abschluss einer äußerst beliebten Rätselreihe ist.
Familienbande
Man kann sich seine Familie ja leider nicht aussuchen. Doch die Spielstände-löschenden, petzenden Geschwister und peinlichen Feiertagsbesucher sind nichts gegen die Sippschaft, in die der junge Adrian Gordon hineingeboren wurde. Nicht genug damit, dass ein uralter Fluch auf der Familie lastet und sich von männlichem Mitglied zu männlichem Mitglied weitervererbt, dazu gesellen sich auch noch mordlüsterne Schwestern und allerhand andere dunkle Mysterien innerhalb des Adelsgeschlechts. Kein Wunder also, dass Adrians Mutter ihrem Sohn dieses Schicksal ersparen wollte und unter falschem Namen in die USA fortschaffte, damit Adrian als umgetaufter Darren Michales ein normales Leben jenseits des großen Teichs führen kann. Doch dass man sich seiner Herkunft nicht ewig erwehren kann, muss der junge Darren erfahren, als er in das englische Küstenstädtchen Willow Creek reist, um eigentlich nur während der Semesterferien in einem Fotolabor zu arbeiten. Hier erfährt er, dass er eigentlich Adrian Gordon heißt, der verfluchten Familie entstammt und wie alle männlichen Gordons dazu auserkoren ist, sich irgendwann in eine mordende Bestie zu verwandeln. Das alles ist nachzuspielen im zweiten Teil. Und an dessen unbefriedigend-offenes Ende schließt der dritte Teil, erneut entwickelt von den deutschen Cranberry Productions, nahtlos an.
Die Mächte des Wahnsinns
An der Story hat sich seit der Vorabversion natürlich nichts verändert: Adrien Gordon wird beschuldigt, das Schloss der Familie Gordon in Brand gesetzt und eine gewisse Amanda Valley sowie ein paar weitere Personen ermordet zu haben. Obwohl Adrian beschwört, sich an keine dieser Taten zu erinnern und stattdessen vorgibt, von einem mysteriösen Kult verfolgt zu werden, wird er vom zuständigen Officer Spooner ins Gefängnis geworfen. Als ein spendabler Unbekannter die fällige Kaution zahlt, kann Adrian sich daran machen, ein paar Wahrheiten über die Morde ans Licht zu bringen. Auch bei den Rätseln hat sich nichts mehr geändert, in den aus den Vorgängern bekannten Locations wie dem schummrigen Örtchen Willow Creek rätselt sich der Spieler durch allerhand größtenteils logische Knobeleien, nervige Puzzleaufgaben wie das Zusammenlegen eines Skelettes gibt es selten, und einige der Minispiele, wie etwa die Reparatur eines Kopierers durch das Kombinieren der richtigen Kabelstücke, lassen sich sogar überspringen.
Zudem darf der Spieler zwischen zwei Schwierigkeitsgraden wählen.
Wer gerne näheres zu der Story und den Rätseln erfahren möchte, dem sei einfach noch mal die Preview des Kollegen Wenske ans Herz gelegt.
Am Ende war das Wort
Mit der fertigen Version haben Adrien und Co. dann auch endlich sprechen gelernt. Konnte uns die Vorabversion akustisch mit ihrer atmosphärischen Klassik erfreuen, untermauern die hervorragenden Sprecher den positiven Eindruck. Die Synchronisation war seit jeher einer der großen Pluspunkte der Serie, u.a. lieh die deutsche Stimme von Johnny Depp im ersten Teil Adrians Vater Samuel Gordon sein markantes Organ. Die Sprachausgabe des dritten Teils steht dem in nichts nach, die undurchsichtigen Figuren sind passend vertont und hochklassig besetzt bis in die kleinste Nebenrolle.
Graue Maus
Optisch hat sich, in diesem Falle bedauerlicherweise, auch nichts mehr getan. Nach wie vor hinkt „Black Mirror 3“ seinen Genrekollegen wie „Gray Matter“ oder „Lost Horizon“ hinterher. Die Figuren sind nicht sonderlich detailliert und außerdem ziemlich hölzern animiert. Dafür entschädigen die stimmungs- und unheilvollen Schauplätze. Das Heimatmuseum, das eigentlich eher ein Horrorkabinett ist, in dem die schlimmsten Verbrechen der Gordons nachgestellt werden, und die vielen anderen schaurigen Ortschaften stehen der dichten Gruselatmosphäre der Vorgänger in nichts nach. Schade nur, dass manch Hintergrund dabei ein wenig leblos wirkt, ein paar mehr Details oder Animation hätten hier schon einiges bewirkt.

Die Rückkehr des Königs
„Black Mirror 3“ unterstreicht noch einmal eindrucksvoll, dass die Geschichte um die Gordon-Sippe auf dem Gebiet der düsteren Erwachsenen-Adventures das Maß aller Dinge ist. Eine so dichte Gruselstimmung, so vielschichtige Figuren und eine so packende Geschichte bekommt kein anderes Point n Click-Adventure ähnlich hin. Wer bereits die ersten beiden Teile mochte, der wird auch den Trilogie-Abschluss lieben. Für alle anderen ist „Black Mirror 3“ ohnehin nicht gedacht, ohne Vorkenntnisse des zweiten Teils wird man hier nur Bahnhof verstehen. Und so stellt „Black Mirror 3“ ein würdiges Serienfinale dar, ehe die Ermüdungserscheinungen wie das Aufwärmen der Locations, die schwache Grafik oder die unspektakuläre Inszenierung zu sehr auf den Spielspaß drücken.
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