A Vampyre Story - Test
Und da sag noch einer, Adventure-Spielen würde der nötige Biss fehlen: Mit A Vampyre Story kommen wir in den Genuss, einen waschechten Blutsauger zu spielen, Kreuzallergie und Knoblauchempfindlichkeit inklusive. Ob das von vielen Adventure-Fans lang erwartete Vampir-Epos vor Herzblut strotzt oder eine blutleere Vorstellung abliefert, erfahrt ihr in unserem Testbericht.
Eine Sängerin auf Abwegen
Eigentlich will Mona De Lafitte Opernsängerin werden. Die schlanke Diva französischer Herkunft will sich unbedingt ihren Traum erfüllen und mit ihrer Stimme Paris begeistern. Blöd nur, dass sie von Vampir Shrowdy in ein Schloss gesperrt wurde, er sie um einige Liter Blut erleichterte und sie nun nur noch als Untote Gläser zum Springen bringen darf. Die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung, als Shrowdy auf der Suche nach einem frischen Zeitungsjungen von Vampirjägern mit einem Pflock an den nächsten Baum getackert wird. Da es Mona zu blöd ist, immer nur im schlosseigenen Konzertsaal vor leeren Sitzen zu trällern, setzt sie nun alles daran, aus ihrem goldenen Käfig zu entfliehen - und das ist nur der Anfang der Story, abschließender Cliffhanger mit Ausblick auf einen möglichen zweiten Teil inklusive.
Wir finden uns also zu Beginn des Adventures in den riesigen Räumen des Anwesens wieder. Schnell fällt auf: Viel hat sich im Vergleich zur Preview-Version an der Grafik nicht mehr getan. Die Hintergründe sind immer noch eine Spur verwaschen, die Charakter nach wie vor eckig. Dafür ist der unvergleichliche Charme der alten Adventures sofort zu spüren. Die schrulligen Säle voller Einrichtungsgegenstände, die so nur ein durchgeknallter Vampir anordnen würde, erzeugen ein wohliges Grinsen. Streitäxte und Schwerter an den Wänden, spitzförmige Fenster und in jedem Raum Steinstatuen - die Atmosphäre stimmt einfach. Und es zeigt sich auch, dass trotz verwaschener Hintergründe viel Liebe zum Detail möglich ist.
Fast wie früher
Hat man sich von der Atmosphäre des Adventures gefangen nehmen lassen, kann es mit der Rätselei losgehen. Das Ziel der ersten Spielstunden ist klar: Von diesem verdammten Schloss fliehen! Dafür müssen wir zunächst die magische Hoftür aufbekommen. Mit roher Gewalt oder Mc Gyver-Erfindungen, der aus einem Parfüm und zwei Knetklumpen einen C4-Sprengstoff macht, kommen wir hier nicht weiter.
Nur ein Schlüssel öffnet uns das Tor zu großen weiten Welt, und der befindet sich im Maul einer versnobten Gargoyle - dass es in Adventures aber auch nie unkompliziert zugehen kann. Wir knobeln uns also fortan durch das Anwesen, reden mit skurilen Gesprächspartnern wie einer eisernen Jungfrau oder einer Rattengang mit Mafioso-Oberhaupt und klauben alles auf, was nützlich sein könnte - oder besser gesagt, die Idee davon. Trotz gesteigerter Kräfte durch die Vampirrundumerneuerung ist sich die grazile Mona zu schade dafür, überdimensionierte Gegenstände mit sich herum zu schleppen. Messer oder ein Parfüm werden natürlich eingesteckt, ein riesiger Streitkolben bleibt aber vorerst an der Wand hängen. Auf die Rätsel an sich hat das allerdings keine großen Auswirken, Ideen können wir genauso wie Items benutzen. Nur wenn wir zwei Gegenstände miteinander kombinieren und daraus eine Idee erhalten, die wir dann benutzen können, wird dieses Feature wirklich interessant. Generell sind die Rätsel übrigens sehr Objektorientiert gehalten. Über Gespräche kommen wir meistens nur an Hinweise, ein bestehendes Rätsel zu lösen oder uns wird ein neues aufgebrummt. Zum Glück wurde die Hotspot-Anzeige einngebaut, die auf Knopfdruck alle anklickbaren Gegenstände markiert. Schweißtreibende Pixelsuche bleibt uns also erspart.
Ansonsten machen die Synchronsprecher aber einen hervorragenden Job (...)
Eine Fledermaus toppt sie alle
Die Dialoge des Spiels sind wunderbar gelungen. Die Entwickler haben sich einiges einfallen lassen, um die Welt von A Vampyre Story nicht zu einem billigen Vampir-Mensch-Mischmasch verkommen zu lassen. An jeder Ecke begegnet uns das Übernatürliche, gepaart mit einem wunderbaren Humor. Ein sprechender Brunnen etwa, der nicht nur haufenweise Wasser, sondern auch Ecstasypillen schluckt. Der Star des Spiels ist aber Frodrick, Fledermaus und treuer Begleiter von Mona auf ihrer Reise. Immer mit einem flotten Spruch auf Lager - mal so flach wie Cheffe Davids Witze, mal hintergründig - treibt er unsere Gesprächspartner regelmäßig zur Weißglut. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist seine deutsche Stimme, die nicht an das englische Original heranreicht. Ansonsten machen die Synchronsprecher aber einen hervorragenden Job, Monas deutsche Stimme ist sogar deutlich angenehmer. Nur der französische Akzent könnte dem einen oder anderen nach einiger Zeit auf den Senkel gehen.
Auch sonst lebt A Vampyre Story vor allem von seinem wunderbaren Humor. Die eiserne Jungfrau zum Beispiel könnte auch eine Nonne sein, so nett und hilfsbereit ist sie, kommt aber nicht um ihren Folterdrang herum und "beherbergt" einen "Gast". Eine Menge an Parallelen zum aktuellen Geschehen gibt es ebenfalls, Klischees werden sowieso auf die Schippe genommen. Ein Höllenfenster etwa, durch das man Satan und einen komischen Mann erblickt, der mit einem Schild "Hey, ich bin's, George" rumläuft, oder Monas Spiegel, der durch ein eine von Shrowdy selbstgebastelte Zeichnung verdeckt wird, damit Mona nicht sieht, was sie nicht sieht.





