Filme - Spezial
Meinungsverschiedenheiten, Auseinandersetzungen, Dispute, Divergenzen, Konflikte, Streitgespräche oder einfach nur Kontroversen, können sehr aufschlussreich und interessant sein. Den Mut aufzubringen, über den Tellerrand zu schauen, die Welt und ihre Begebenheiten aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, gehört dazu. In der Filmszene gibt es seit Jahrzehnten den einen oder anderen Bildstreifen, der die Gemüter dermaßen erhitzt, dass er entweder geliebt oder gehasst wird. Echtes Artkino ist eben kontrovers, geht an die Grenzen und überschreitet diese oftmals - gewollt. Dass dieVorgehensweise dieser Autorenfilme kritisch beäugt wird, ist klar. Es sind durchweg Kunstprojekte, die man wirklich mehrmals schauen muss, um Kernaussagen oder versteckte diskussionswürdige Thesen aufzuschlüsseln. Die Serie „Kino Kontroverse“ ist die bekannteste, wenn auch am meisten kritisierte DVD-Kollektion.
Die ursprüngliche Reihe umfasst folgende Filme:
„Menschenfeind“, „Irreversibel“, „A Hole In My Heart“, „Die 120 Tage von Sodom“, „Ken Park“, „Santa Sangre“, „Ex Drummer“, „Zoo“, „Ich bin neugierig - gelb / Ich bin neugierig - blau“ und „Twentynine Palms“
Durch Legend Home Entertainment ins Leben gerufen, befinden sich die Rechte seit 2011 in den Händen von Bavaria Media. Die Marke wurde bis zur Übernahme nicht fortgesetzt. Doch dies soll sich in diesem Jahr mit neuen Titeln für die „Kino Kontrovers“-Reihe ändern. Am 09. Februar 2012 mit „Kino Kontrovers 8: Jagdszenen aus Niederbayern“ und am 08. März 2012 mit „Kino Kontrovers 9: Tyrannosaur“ erscheinen gleich zwei neue Titel auf DVD und Blu-ray! Um die Wartezeit zu verkürzen, werden seit Oktober 2011 ausgewählte Titel der DVD-Kollektion in neuem Design wiederveröffentlicht.
Uns ist bewusst, dass diese Art von Filmen nicht für jeden Geschmack und jedes Auge bestimmt sind. Dennoch wollen wir allen Interessierten einen kleinen Einblick geben in die Welt von „Kino Kontrovers“. Wir sind der Meinung, dass diese Art des Filmemachens, fernab von Hollywood, ein höheres Ansehen in Deutschland verdient hat. Denn die Welt ist nicht Schwarz und Weiß! Drum geben wir euch eine Übersicht über die bis dato sieben Neuveröffentlichungen dieser extravaganten Editionen.
Kino Kontrovers 1: Ex Drummer
Einer der bekanntesten Filme der Editionen ist die Geschichte von Autor und Berufszyniker Dries. Nachdem er drei wirklich abgewrackte Musiker aus dem letzten Loch einer belgischen Provinz kennenlernt, steigt auch Dries hinab, hinab in eine Welt voll Schmutz und Elend. Dries wird Drummer der Punk Band "Feminists" und wird von den menschlichen Abgründen regelrecht angezogen. Als Rückzugsort dient ihm sein gesittetes Eigenheim, einem Designerloft, inklusive seiner hübsche Frau. Doch immer wieder treibt es ihn zurück.
Zurück zu den Schandflecken der restlichen Bandmitglieder, wie dem Proberaum auf dem Bauernhof, an dem die Mutter von Musiker Jan, den Vater via Zwangsjacke ans Bett fesselt. Oder doch lieber das Appartment von Koen, in dem er Frauen misshandelt um Lust zu empfinden oder zu Ivan, der in einem Drecksloch wohnt, in dem dessen Frau das schreiende Baby mit Haschisch ruhig stellt. Dries übernimmt dabei durchweg die Rolle des Beobachters und fühlt sich Herr der Lage, ein scheinheiliger Gutmensch, der von oben herab auf das Elend blickt. Zumindest bis zu dem Tag, an dem er selbst im Sündenpfuhl versumpft und den Erlöser vom Übel der Welt spielt. „Ex Drummer“ ist kein Film zum Wohlfühlen und noch weniger für Zuschauer, die sich mal eben schnell einen schönen Abend machen wollen. Dieser Streifen zeigt die Abgründe der Seele und geht an die Nieren.
Kino Kontrovers 2: Zoo
Robinson Devor, Macher dieses diskutierten Films, hat mit „Zoo“ eine Materie aufgegriffen, dass die Gesellschaft alles andere als thematisieren möchte - Zoophilie. Devor rollt die Geschichte des Mr. Hands auf, der damals, unter dem realen Namen Kenneth Pinyan, in Amerika für mächtig Wirbel sorgte.
In einem kleinen Nest namens Encumlaw im Staate Washington, starb der Ingenieur Pinyan nämlich 2005 an inneren Blutungen im Darmbereich, nachdem er sich mit einem Pferd vergnügte. „Zoo“ ist ein Dokumentarfilm, der alle Beteiligten von einst vor die Kamera holt. Darunter Pferdeknechte, Tierärzte, Polizisten und Menschen, die in den einschlägig orientierten Chatrooms als Experten gelten. Dabei geht es Robinson Devor nicht um Sensationsgeilheit oder den Tabubruch zu beschönigen, sondern stellt sich die Frage: „Ist das, was wir vorgeben zu sein, so unterschiedlich von dem, was wir wirklich sind?“ Es ist eine sehr schwere, fast schon seelenruhige Doku, verstörend und interessant zugleich mit einem Thema, über das die meisten Menschen gar nicht nachdenken wollen.
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schrieb am 10.01.2012
um 14:03
schrieb am 10.01.2012
um 15:47