Die Auswahl zwischen verschiedenen Rassen gehört zur Konzeption eines MMORPGs, wie leere Pizzakartons und haufenweise ungewaschener Wäsche in den Unterschlüpfen eines jeden Hardcore-Zockers. So war es auch nur eine Frage der Zeit, bis auch bei Runes of Magic, dem derzeit wohl erfolgreichsten Free 2 Play-MMO aus deutschen Landen, mit der kostenlosen Erweiterung The Elven Prophecy die spitzohrigen Baumkuschler ihren Einzug nach Taborea halten durften. Ob die Einführung der elfischen Rasse plötzlich zu einem Anstieg der Mitgliederzahlen für die Grünen sorgen wird, und wie sich die neuen Features des epischen Rollenspiels tatsächlich gestalten, haben wir in unserem ofenfrischen Testbericht in Erfahrung gebracht.
Ein Gottkönig kommt selten allein
Viel ändert sich mit The Elven Prophecy nicht an der ohnehin schon mehrere meterdicke Wälzer füllenden Story. Immer noch geht es darum, die Geheimnisse der namensgebenden Runen und der mit ihr zusammenhängenden Erschaffung Taboreas durch die göttliche Figur Ayvenas zu ergründen. Wenn wir uns jedoch für einen elfischen Charakter entscheiden, bekommen wir eine neue Storylinie, nämlich die der elfischen Gottkönige und ihren internen Auseinandersetzungen, aufgetischt. Bei so viel Intrigen und Bruderkämpfen kann von einer heilen Welt nicht die Rede sein, obwohl die Allianz zwischen Menschen und Elfen im Krieg gegen die Nagas schließlich die Wogen etwas glättete. Diese relative Zeit der Ruhe führte dann auch zur Errichtung der Akademie auf der Elfeninsel, die uns als Schüler in den Wegen der Magie oder des Kampfes ausbildet, um quasi als Außendienstler für die elfischen Herrscher auf dem Festland nach lange verloren gegangenem elfischen Wissen suchen zu dürfen. Genaueres soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden.
Mit Wurzelfaust und Naturkraft für Taborea
Auch denjenigen unter uns, die schon vor Freude auf neue Features Purzelbäume im hauseigenen Wohnzimmer schlagen, müssen wir leider einen Dämpfer verpassen. Denn obwohl sich The Elven Prophecy als vollwertiges zweites Kapitel ansieht, gibt es gameplaytechnisch wenig Neues.
Die altbewährte Mischung aus Questing, Crafting und Itemjagd geht größtenteils unverändert in Runde Zwei. Dafür hat sich im Bereich der spielbaren Klassen einiges getan. Denn obwohl die Elfen an sich nur eine kosmetische Veränderung gegenüber den Menschen darstellen, ermöglicht uns die Wahl des neuen Volkes auch den Zugriff auf die zwei neuen Klasse von The Elven Prophecy, namentlich den Druiden und den Bewahrer. Der Druide gestaltet sich als das Priester-Äquivalent auf elfischer Seite.
Dementsprechend hält der durchschnittliche Pflanzenfanatiker nicht mehr als einen heftigen Windstoß aus, kann aber dafür mittels einiger Flächenangriffe und diversen Zaubern, die Schaden über Zeit verursachen, ganz schön austeilen. Will man sich auf die Unterstützung seiner Gruppenmitglieder konzentrieren, hat man die Auswahl zwischen zahlreichen Buffs, verschiedensten Heilungsvarianten und auch einigen Fähigkeiten zur Crowd Control. Eine interessante Neuerung ist hierbei das Naturkraft-Feature. Bestimmte Zauber bauen Naturkraft auf, während andere gehörige Portionen davon verbrauchen. Wollen wir also einen effektiven Baumfreund zusammenbasteln, sollten wir den Einsatz unserer Zauber taktisch vorausplanen. Die zweite neue Klasse, der Bewahrer, stellt die Einführung der Pet-Klasse in Runes of Magic dar. Denn obwohl der nahkampferprobte Waldpirscher sich durchaus auch selbst einer Haut erwehren kann, ist seine besondere Stärke doch die Beschwörung eines Begleiters, der über ein komfortables Menü zu steuern und mit bestimmten Fähigkeiten auszustatten ist. Die Fähigkeiten des Bewahrers konzentrieren sich so also neben einigen rudimentären Nahkampffertigkeiten auf das Buffen und Heilen seines Begleiters. Momentan wirkt es jedoch noch so, dass die Herrschaften von Frogster dem Eichengeist, unserem ersten Begleiter, ein bisschen zu viel Dünger ins Kraftfutter gemischt haben, denn es gibt kaum einen Gegner auf dem gleichen Level, der nicht nach zwei oder drei kräftigen Faustschlägen des Baumwesens das Zeitliche segnet. Hier kann man nur auf einen schnell hinterhergeschobenen Balancing-Fix hoffen, um allzu heftiges Powergaming zu vermeiden. Abgesehen von einem neuen Titelsystem, neuen Questreihen und dem Anheben der Levelgrenze auf 55 sind die Gameplay betreffenden Neuerungen damit auch schon abgefrühstückt.
Eine Insel mit zwei Bergen
Die bereits vorhandenen Gebiete wurden grafisch nicht wirklich aufpoliert und erstrahlen immer noch im alten, für manche doch arg gewöhnungsbedürftigen, Fernost-Comicglanz. Dafür gestaltet sich das neue Startgebiet für die Elfen unter uns als eine wunderschöne, stimmige Insel inklusive romantischer Sonnenuntergängen am Strand und einer neuen NPC-Rasse, den knorrigen Ents, die mit den tolkien’schen Baumriesen jedoch wenig gemein haben. Gerade bei Nacht entfaltet die durch und durch grüne Heimat der Elfen ihren wahren Charme. Im Gegensatz zum eher öden und nicht mal zum Gähnen animierenden Startdorf der Menschen hat sich Frogster mit der elfischen Akademie und ihrer grazil anmutenden Architektur selbst übertroffen. Einen neuen Charakter zu erschaffen gestaltet sich in MMORPGs oftmals ähnlich spannend wie Nasenhaaren beim Wachsen zuzugucken, aber in diesem Fall können wir das erneute Hochleveln mit einer der zwei neuen Klassen uneingeschränkt weiterempfehlen.
Sphärische Klänge aus dem Mischwald
Wo schon im grafischen Department mit der Elfeninsel endlich ein optisch attraktives Startgebiet zusammengeschustert wurde, ist die neue musikalische Untermalung im grünen Paradies auch nicht ohne. Sanfte, ruhige Klänge wabern aus den Boxen und binden sich so perfekt in die idyllische Atmosphäre auf dem Langohreiland ein. Hier kann man sich noch Zeit nehmen, zwischen Monsterverkloppen und Ressourcengesammle eine leckere Tasse Tee auf der Veranda zu schlürfen, zumindest wenn es nach dem Soundtrack geht. Verständlicherweise gestaltet sich der Soundteppich, sobald man per Luftschiff die Insel verlassen hat und im altbekannten Varanas gelandet ist, genau so wie schon im ersten Kapitel des Gratis-MMOs.



