Bereits in unserer Vorschau haben wir uns als Föderationskapitän in die Weiten des Weltalls gestürzt, aberwitzig viele Borgkuben erledigt und uns auf Planeten beamen lassen. In unserem Testbericht widmen wir uns der Langzeitmotivation von „Star Trek Online“, den Klingonen und weiteren Stärken und Schwächen des MMOs. Lest weiter und findet heraus, ob sich das Weltraumabenteuer der Cryptic Studios in der Anschaffung lohnt oder einen faden Beigeschmack hinterlässt.
Bitterböse Überraschung? Bereits einige Spiele mit Star Trek Lizenz wurden in den Sand gesetzt. Da wären zum einen das unsägliche „Star Trek – Legacy“, der untaktische Commandos-Klon „Star Trek – Away Team“ und natürlich das Spiel zum neunten Star Trek Film: „Star Trek – Der Aufstand.“ Reiht sich „Star Trek Online“ in diese Liste ein? Nein, denn den Cryptic Studios ist mit „Star Trek Online“ immerhin ein stimmiges und atmosphärisches Star Trek Spiel gelungen. Wie jedes Spiel hat auch dieses seine Stärken und Schwächen, aber dazu im Verlaufe des Berichts mehr.
Krieg! Ist denn schon wieder Krieg? Ja, denn „Star Trek Online“ spielt rund 30 Jahre nach dem letzten Next Generation-Kinofilm „Star Trek – Nemesis“. Im Jahre 2409 bekämpfen sich die Föderation und das Klingonische Reich, welche auch als spielbare Fraktionen herhalten müssen und dabei andere Schwerpunkte haben, als die Vereinigte Föderation der Planeten. Als Kapitän eines Föderationsschiffs konzentrieren wir uns auf das Erledigen von Missionen und bekämpfen etliche KI-Gegner. Klingonen dürfen sich jedoch in waschechte PVP-Gefechte gegen die Föderation und Ihresgleichen stürzen. Hier kommt auch schon der erste Knackpunkt: die Klingonen sind bei weitem nicht so gut ins Spielgeschehen eingebunden wie die Föderation. Das Kriegervolk bekommt statt interessanter Aufgaben nur öde „Töte X Feinde“ Quests und auch die Anzahl der Schiffstypen lässt sich fast an einer Hand abzählen. Daher sollte man Klingonen vielleicht eher als Zweitcharakter in Betracht ziehen, um zwischendurch ein wenig PVP-Spaß haben zu können. Wenn da die langweiligen Bodenkämpfe nicht wären …
Bodenkämpfe gegen Weltraumkämpfe? Innovation sucht man in einem Onlinerollenspiel meistens vergeblich. „Star Trek Online“ bietet mit der Möglichkeit auch im Weltraum gegen seine Feinde antreten zu können zwar keine wirkliche Neuerung, aber eine nette Abwechslung zum üblichen Einheitsbrei. So fallen die Kämpfe im dreidimensionalen Weltraum richtig taktisch aus.
|
So müssen wir uns korrekt positionieren, um bestimmte Schilde der Feinde auszuschalten oder ihnen unsere etwas weniger anfällige Seite zu präsentieren. Zudem lassen sich mithilfe der drei Brückenoffiziere unsere Waffen, Schilde oder weiteres buffen, wodurch wir im Kampf einen Vorteil haben. Nichts ist erstaunlicher als mit seinem Raumschiff durch das All zu fliegen und Jagd auf Borgschiffe zu machen, außer vielleicht ein PVP-Kampf.
Auf dem Boden spielt sich „Star Trek Online“ recht eintönig. Wir staksen durch öde, oft detailarme Level, erledigen durchwachsene Aufgaben und beamen anschließend wieder an Bord. Zwar sind wir mit bis zu fünf Mitstreitern, die auch vom Computer übernommen werden können, unterwegs, aber das ändert nicht viel am Gameplay, da die Missionen zu oft nach demselben Schema ablaufen. Hinzu kommt die schlechte Wegfindung der KI-Kollegen. Richtige Teamarbeit ist auch nicht von Nöten, da – und jetzt kommt’s – Tode nicht bestraft werden. Richtig, wenn wir sterben, stehen wir kurz darauf wieder quicklebendig in der Nähe auf und können mit der Quest weitermachen. Besiegte Gegner bleiben besiegt und eine Strafe für unser Ableben bleibt aus. Warum sich also mühsam ein Team zusammenstellen, wenn es alleine doch genauso gut geht?
Gute Quests, schlechte Quests Nicht jedes Onlinerollenspiel kann mit perfekten Quests aufwarten und „Star Trek Online“ macht da nicht viel anders. Neben langweiligen Patrouillenflügen, gibt es noch Forschungs- und Diplomatie-Quests. Da diese Aufträge größtenteils ohne Feindkontakt auskommen, schleppen wir uns oftmals gelangweilt durch die Einöden und sind beispielsweise damit beschäftigt Steine zu scannen. Klingt nicht sonderlich spannend, oder?
Die guten und auch längeren Questreihen sind hingegen richtig gut gelungen. Sie erzählen oft spannende Geschichten und umfassen sowohl Raum- als auch Bodenkämpfe, sodass für Abwechslung gesorgt ist. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber in einer Quest begeben wir uns sogar in die Vergangenheit und kämpfen Seite an Seite mit der Ur-Enterprise gegen klingonische Schlachtkreuzer. Einmal an der Seite von Captain James T. Kirk kämpfen. Wer wollte das nicht schon immer einmal machen?
Sammlerwahn Wie in jedem guten Onlinerollenspiel steht auch bei „Star Trek Online“ die Hatz nach Verbesserungen und Belohnungen im Vordergrund. Für erledigte Aufträge und Feinde erhalten wir bessere Ausrüstung für unser Schiff, zum Beispiel Waffen und Schilde, und das Außenteam. Wer sich auf die langweiligen Forschungsmissionen einlässt, wird mit Marken belohnt, die anschließend gegen wertvolle Belohnungen eingetauscht werden können. In der Zukunft sind Handwerksberufe wohl eher rar, denn die suchen wir im Star Trek MMO vergeblich. Stattdessen sammeln wir im All und während Bodenmissionen Rohstoffe, die wir zu einer Sternenflotten-Bibliothek bringen. Dort leben eifrige Forscher, die gegen Rohstoffzahlung unsere Ausrüstungsgegenstände aufwerten. Damit wir nicht die gesamte Spielzeit mit dem ewig gleichen Kahn durchs Weltall düsen müssen, schalten wir mit jeder zehnten Stufe neue Schiffsklassen frei.
|