Schon einmal hat der berühmte Archäologe mit dem Fedorahut und der Peitsche in seiner LEGO-Inkarnation auf PC und Konsolen für viel Spaß gesorgt. Wo „Die legendären Abenteuer“ von LEGO Indy sich voll und ganz auf die „klassische“ Trilogie des Abenteurers konzentriert hat, dreht es sich bei „Die neuen Abenteuer“ nun vorrangig um den vierten Teil „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Dennoch ist das neue LEGO Indy viel mehr als nur als ein paar neue Levels, denn auch am Gameplay hat sich was getan. Ob das eine gute Idee war oder ob am Ende für ähnliche Enttäuschung sorgt wie das vierte Indy-Kinoabenteuer? Wir werden sehen!
Das gehört in ein Museum!
Die gravierendste Änderung erschließt sich auf den ersten Blick. Statt eines zentralen Hubs, von dem aus sich wie im Vorgänger die einzelnen Kapitel des Spiels erreichen lassen, begrüßen den oder die Spieler nun acht Kisten in der aus dem Ende von Teil 1 und dem Anfang von Teil 4 bekannten Lagerhalle. Von diesen ist zu Beginn lediglich eine zugänglich, die uns direkt in den ersten Spielabschnitt vom „Königreich des Kristallschädels beamt“. Dort stellt man fest, dass nun jeder der Spielabschnitte seinen eigenen frei erkundbaren Hub erhalten hat, in dem man sich nach und nach zu den einzelnen Levels Zugang verschaffen kann. Hier ist dann im Wesentlichen alles beim Alten: Man springt und rennt, baut aus LEGO-Klötzchen Schlüsselgegenstände und sammelt jede Menge Steine ein, für die man Extras, Fahrzeuge und neue spielbare Charaktere kaufen kann. Letztere sind wiederum notwendig, um mit deren Spezialfähigkeiten oder besonderen Gegenständen weitere Aufgaben lösen und weitere Levels abschließen zu können. Wer das bereits kennt, wird sich hier von der ersten Sekunde an zurechtfinden.
Außer den Levels zum „Kristallschädel“ bekommt man noch die klassische Trilogie als Dreingabe, die in jeweils einem Spielabschnitt im Schnelldurchlauf durchstreift werden können, wobei es keinerlei Überschneidungen mit den „Legendären Abenteuern“ gibt. Obendrauf gibt es einen Level Creator, mit dem sich eigene Abenteuer erstellen lassen. Das klingt fantastisch, bedarf aber einer gewissen Einarbeitungszeit, während der man sich mit Tutorials begleiten lassen kann. In der Tat bekommt man hier auch eine Menge Möglichkeiten zum Design eigener Levels geboten, mit denen man sich austoben kann. Um solche Levels zu erstellen, wie sie mitgeliefert werden, reichen jedoch die Ressourcen nicht aus. Trotzdem nett.
Indiana Jones und das neue Leveldesign
Modifiziert wurde an der Levelstruktur. Gab es hier früher viel zu entdecken, und musste man hier teilweise oft zurückkommen, bis man die letzte Tür aufbekommen und den letzten roten Stein erbeutet hat, wurden die Levels hier einerseits verkleinert und andererseits auf den ganzen Hub verstreut, sodass man zwar insgesamt länger unterwegs ist, bis man überall war, die einzelnen Levels an sich jedoch meistens in einem bis höchstens zwei Durchgängen komplett abgearbeitet sind. Das kann man besser finden als die langen, teilweise verwinkelten Levels von „Die legendären Abenteuer“, muss man aber nicht.
Eindeutig vermurkst wurden jedoch die Levels, in denen man nicht zu Fuß, sondern mit einem fahrbaren Untersatz unterwegs ist. Anstatt hier mit kleineren Modellen zu arbeiten wie z. B. bei LEGO Star Wars, fährt man hier mit maßstabgetreuen Fahrzeugen durch die auch zu Fuß begehbaren Levels, was für mehr Bewegungsfreiheit und nahtlosere Integration in die Spielwelt sorgen soll, aber nicht selten auch dazu führt, dass man nach dem x-ten vergeigten Versuch, an eine schwierige Stelle zu kommen, lieber aussteigt und es zu Fuß macht. Schuld daran ist die grobmotorische Steuerung, die einen in manchen Momenten glauben lässt, zwischen Spiel und Controller sein ein Dreijähriger geschaltet, der mit rudernden Bewegungen LEGO-Auto über einen Spielstraßenteppich manövriert.
Dahin gegen ist der dynamische Splitscreen eine ganz wunderbare Neuerung, die all die bislang genannten Mängel fast rückstandslos glattzubügeln weiß. Der nämlich bügelt wiederum ein großes Manko aller vorherigen LEGO-Spiele aus, den Co-Op-Spieler nur zu gut kennen. Rennen nämlich beide Spieler in verschiedene Richtungen los, fährt dort die Kamera ein Stück zurück und vergrößert den Bildausschnitt, bis es nicht mehr weitergeht und beide Spieler sich gegenseitig anschreien, dass der eine dem anderen gefälligst folgen solle. Dieser Streitpunkt gehört nun ein für alle Mal der Vergangenheit an, denn bei LEGO Indy 2 teilt sich der Bildschirm in dem Moment, wenn der Abstand der Spieler zueinander zu groß wird, und wächst wieder zusammen, wenn sie sich näher kommen. So kann jeder immer seine aktuelle Spur verfolgen, ohne auf den anderen warten zu müssen. Das ist schlicht großartig und kann ein echter Beziehungsretter sein.
Sonstige Änderungen belaufen sich auf Details. So kauft man neue Figuren und Fahrzeuge nicht mehr an ein und derselben Stelle, sondern über das ganze Spiel verteilt, ebenso wie die „Red Bricks“ nun anders verteilt und um blaue und grüne Steine ergänzt wurden. Woran sich nichts geändert hat: Es gibt wie immer unglaublich viel zu entdecken und zu komplettieren, und das Spiel tut sein Bestes, um den Sammlerwillen zu beflügeln.
Prädikat: Liebevoll
Eins ist klar, mit den aktuellen Grafikmonstern kann und will LEGO Indy gar nicht mithalten. Trotzdem muss man festhalten, dass „Die Neuen Abenteuer“ ein bisschen besser aussehen als der Vorläufer. Insgesamt ist die Präsentation stimmig wie immer und ebenso liebevoll. Natürlich bekommt man auch wieder die Schüsselszenen der Filme in der LEGO-Version, gespickt mit dem typischen Humor aus dem Hause Traveller‘s Tale. Wer schon mal ein LEGO-Spiel gespielt hat, weiß, worauf er sich einlässt, Skeptikern und Neulingen sei gesagt: Das muss so aussehen, und nach ein paar Stunden werdet ihr nichts anderes mehr wollen. Versprochen!
Dazu ertönt der Original Soundtrack von John Williams, und mehr kann man dann auch schon nicht mehr wollen. Also alles rundherum gelungen, den hier waren offensichtlich Fans am Werk.



